Im westafrikanischen Gambia steht zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit 1965 ein friedlicher Machtwechsel bevor: Nach der Präsidentenwahl hat Langzeitherrscher Yahya Jammeh seine Niederlage eingeräumt. Wie die Wahlkommission in der Hauptstadt Banjul mitteilte, setzte sich der Oppositionelle Adama Barrow als Kandidat eines Bündnisses aus sieben Parteien gegen den Autokraten durch.

Der 51-jährige Jammeh hatte sich 1994 an die Macht geputscht und sich seither mit aller Härte an der Spitze gehalten. Bei der Abstimmung am Donnerstag hatte er eine fünfte Amtszeit angestrebt. In Gambia gibt es keine Beschränkung, wie oft ein Präsident wiedergewählt werden kann, seit eine entsprechende Regelung 2002 aus der Verfassung gestrichen wurde. Noch am Wahltag hatte Jammeh den größten Sieg in der Geschichte des kleinen Landes angekündigt – für sich. Alle Wahlen, bei denen er sich bisher bestätigen ließ, gelten als gefälscht. Schon früher war er sich deshalb sicher, er werde "eine Milliarde Jahre" lang regieren, wenn Allah das wünsche. Die zum allergrößten Teil sehr junge Bevölkerung war damit nicht einverstanden.

Und das trotz aller Warnungen des Präsidenten. Vor der Wahl hatte Jammeh gedroht: "Lassen Sie mich diese sogenannte Opposition warnen: Wenn ihr dieses Land destabilisieren wollt, begrabe ich euch neun Fuß unter der Erde. Und kein Westler wird wagen, etwas dagegen zu sagen." Seit Jahren ging das gambische Regime brutal gegen alle Kritiker vor. Jeder, der nicht auf Jammehs Seite stand, ob politisch oder bei allerlei korrupten Geschäften, wurde im besten Fall eingeschüchtert. Zum Alltag in Gambia gehörten genauso willkürliche Verhaftungen, Entführungen und Folter. Allein im vergangenen Wahlkampf wurden mindestens 90 Oppositionelle verhaftet und teils zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt – vor allem im Zusammenhang mit größeren Protesten im April des Jahres.

Barrow, der nun Präsident wird, wurde in Basse im Osten Gambias geboren und ging später nach London, wo er studierte und für einen Sicherheitsdienst arbeitete. 2006 kehrte er in seine Heimat zurück, um dort eine Immobilienfirma aufzubauen. Die Gambier seien bereit für einen Wechsel, war seine Botschaft. Für den Fall seines Wahlsiegs hatte er angekündigt, für drei Jahre eine Übergangsregierung bilden zu wollen, in der alle Parteien des Oppositionsbündnisses vertreten sein sollen.

Die frühere britische Kolonie Gambia gehört seit Langem zu den ärmsten Staaten der Welt. Unter der harten Führung Jammehs gab es durchaus kleine Fortschritte im Bildungs- und Gesundheitsbereich, wirtschaftlich kommt das Land allerdings nicht auf die Beine. Einziges Exportgut sind Erdnüsse, die wichtigste Industrie bleibt der Tourismus am schmalen Küstenstreifen. Vor allem jungen Menschen fehlt die Perspektive, allein in diesem Jahr ist eine fünfstellige Zahl über das Mittelmeer nach Italien geflohen, bei einer Bevölkerung von nicht einmal zwei Millionen Menschen.

Gambia - Präsidentenwahl mit Murmeln Dank des Wahlsystems im westafrikanischen Gambia können auch Analphabeten problemlos abstimmen. Die Präsidentenwahl ist laut Menschenrechtlern dennoch von Angst geprägt. © Foto: Marco Longari/Getty Images