Jahrelang hatten die Vereinten Nationen gezögert, nun hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Schuld seiner Organisation für den Cholera-Ausbruch 2010 in Haiti mit mehr als 9.300 Todesopfern anerkannt. "Wir entschuldigen uns beim haitianischen Volk", erklärte er. Die Vereinten Nationen hätten damals nicht genug getan, um die Epidemie einzudämmen. "Wir bedauern unsere Rolle aufrichtig." 

Menschenrechtler und Wissenschaftler hatten seit längerer Zeit kritisiert, dass nepalesische Blauhelme die hoch ansteckende Infektionskrankheit eingeschleppt hatten, als sie 2010 nach einem verheerenden Erdbeben ins Land gekommen waren. Eine Klage von Opfern blieb jedoch ohne Erfolg.

Geld, aber bislang keine Entschuldigung

Zunächst hatten die UN jegliche Mitschuld an dem Ausbruch von sich gewiesen. Erst vergangenen August hatte Ban schließlich erklärt, dass er eine "moralische Verantwortung" der UN gegenüber den Opfern sehe. Im Oktober hatte er die Weltgemeinschaft dann um 200 Millionen Dollar (184 Millionen Euro) zur Unterstützung der Opfer gebeten. Auch hier hatte sein Sonderberater aber erklärt, dass dies kein Schuldbekenntnis und auch keine rechtliche Verantwortung der UN für die Epidemie bedeute. 

Das Geld soll an Familien der Todesopfer und an Gemeinden gehen, die von den heute fast 800.000 Infektionen am stärksten betroffen sind. Mit weiteren 200 Millionen Dollar soll auch die künftige Reaktion auf die Cholera-Epidemie verbessert werden, unter anderem durch bessere Wasser- und Sanitäranlagen.

Proteste gegen neuen Präsidenten

Das im Westteil der Insel Hispaniola liegende und an die Dominikanische Republik grenzende Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Drei Viertel aller Einwohner leben von weniger als zwei Dollar am Tag. Seit einem schweren Erdbeben im Jahr 2010 ist das Land von internationaler Entwicklungshilfe abhängig. Erst vor wenigen Wochen zog Hurrikan Matthew über Haiti hinweg und richtete schwere Schäden an.

Künftig soll der Unternehmer Jovenel Moïse den Karibikstaat als künftiger Präsident aus der Krise führen. Der politische Neuling hatte die Wahl vom 20. November nach vorläufigen Auszählungsergebnissen mit mehr als 55 Prozent der Stimmen gleich im ersten Durchgang gewonnen. Unumstritten ist Moïse aber nicht: Am Mittwoch demonstrierten Hunderte Menschen gegen den Sieg des Geschäftsmanns. Schwer bewaffnete Polizisten in Schutzausrüstung stellten sich dem Protestzug in den Weg und setzten nach Steinwürfen Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.