In Indonesien ist Blasphemie eine Straftat – derer soll sich der christlichen Gouverneur von Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama,  schuldig gemacht haben. Geschätzte 120.000 bis 200.000 konservative Muslime demonstrierten gegen ihn in Jakarta, sie verlangten seinen Rücktritt und seine Festnahme. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit 22.000 Menschen im Einsatz. Bei einem ähnlichen Protest Anfang November war es zu Ausschreitungen gekommen, bei denen ein Mensch starb.  

Die Staatsanwaltschaft hat den Politiker bereits vernommen und will den Fall vor Gericht bringen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis. Purnama sagte, er sei sich keiner Schuld bewusst.

Der Gouverneur hatte politischen Gegnern vorgeworfen, sie missbrauchten den Koran, um ihm eine zweite Amtszeit zu verwehren. Sie hätten eine Sure so interpretiert, dass Muslime keinen Nicht-Muslim als ihren Anführer wählen könnten.

Langjährige Kultur der religiösen Toleranz in Gefahr

Purnama gilt als wichtiger Verbündeter des indonesischen Präsidenten Joko Widodo. Widodo selbst versuchte, die Demonstranten zu beruhigen. "Lasst uns jetzt alle friedlich nach Hause gehen", sagte er vor der Menge und fügte ein dreifaches Allahu akbar (Gott ist groß) hinzu.  

Auch Widodo hat in der Bevölkerung Gegner. Beamte nahmen acht Verdächtige fest, die seinen Sturz geplant haben sollen. Unter ihnen waren der langjährige Regimekritiker Sri Bintang Pamungkas, der indonesische Rockmusiker Ahmad Dhani und eine Schwester der ehemaligen Präsidentin Megawati Sukarnoputri, Rachmawati Sukarnoputri. Sie müssen mit einer Anklage wegen Verrats rechnen.

Menschenrechtler beobachten die Entwicklung in Indonesien mit Sorge. Durch Purnamas Äußerungen sehen sie die langjährige Kultur der religiösen Toleranz in Gefahr. Fast 90 Prozent der 250 Millionen Einwohner sind zwar Muslime, das Land war aber immer auf seine säkulare Tradition bedacht. Toleranz wird groß geschrieben. "Dieser Fall ist höchst beunruhigend", sagt der Südostasien-Direktor von Amnesty International, Rafendi Djamin. Die Behörden könnten nun kaum mehr argumentieren, dass alle Religionen geachtet würden.

In einer früheren Version stand fälschlicherweise, die ehemalige Präsidentin Megawati Sukarnoputri selbst sei festgenommen worden; tatsächlich wurde ihre Schwester Rachmawati festgenommen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.