Die Europäische Union hat die Flüchtlingskrise aus Sicht von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bis heute nicht bewältigt. "Die Flüchtlingskrise haben wir nicht im Griff", sagte Juncker in der ZDF-Sendung Was nun?. "Es hat ja keinen Sinn, dass ich mich in Schönmalerei ergehe." 

Zwar gebe es dank des Abkommens mit der Türkei insgesamt Fortschritte. So sei die Zahl der Menschen, die über die Ägäis nach Griechenland kämen, von 10.000 am Tag auf etwa 80 zurückgegangen. "Der Türkei-Deal funktioniert, aber die gesamteuropäische Antwort auf das Flüchtlingsdrama funktioniert nicht in Gänze", sagte Juncker. 

Er mahnte die 28 Staaten der Union noch einmal, das Problem gemeinsam anzugehen. "Wir können nicht Italien und Griechenland alleine lassen", sagte Juncker dem ZDF. "Und wir können nicht tolerieren, dass nur Deutschland oder Schweden Flüchtlinge aufnehmen. Die innereuropäische Solidarität muss gestärkt werden." 

Damit bezog sich Juncker auf osteuropäischen Länder wie Ungarn, die sich weigern, Italien oder Griechenland Flüchtlinge abzunehmen. In den südeuropäischen Ländern kommen nach wie vor Zehntausende Menschen an, die meisten über die westliche Mittelmeerroute aus Nordafrika. 

Syrien, Trump, Italien

Zum Krieg in Syrien sagte Juncker, dass er neue Sanktionen gegen Russland als Reaktion ablehne. "Das wird Russland nicht beeindrucken." Zudem zeugten solche Forderungen von "Naivität". Europa könne letztlich nur versuchen, mit den Mitteln der Diplomatie Einfluss zu nehmen. "Hätten wir Soldaten hinschicken sollen?", fragte Juncker. Er glaube nicht, "dass es viele Europäer gibt, die wegen Syrien sterben möchten". Europa dränge aber "mit allen Mitteln" darauf, dass es "humanitäre Lösungen" für die Zivilbevölkerung in Syrien gebe.

Mit Blick auf die Wirtschaft zeigte sich Juncker zuversichtlich, dass von Italien keine neuen Probleme für den Euroraum ausgehen würden. "Ich glaube nicht, das von Italien etwas ausgehen könnte, was einer neuen Eurokrise ähnlich sehen würde", sagte Juncker.

Zum Wahlsieg von Donald Trump sagte Juncker, er selbst habe noch nicht mit dem gewählten US-Präsidenten gesprochen. "Ich habe in der Zeitung gelesen, er hat mich angerufen – das stimmt nicht." Nachteile für die EU sieht Juncker durch den Wahlsieg für die EU nicht. Es stimme zwar, dass Amerikaner, Russen oder Chinesen untereinander Vereinbarungen treffen könnten, sagte Juncker. Letztlich aber könne die EU auch immer noch Einfluss nehmen. "Ich denke, dass sich in den USA die Dinge noch so richten werden, wie sie gerichtet werden müssen."