Der malaysische Regierungschef Najib Razak hat ein Ende der Gewalt gegen die muslimische Rohingya in Myanmar gefordert. Damit bricht er mit dem Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes im Verband Südostasiatischer Nationen ASEAN. Seit Anfang Oktober versucht die burmesische Armee wiederholt die muslimischen Rohingya brutal aus Myanmar zu vertreiben.

Bei einer Solidaritätskundgebung mit den Rohingya in Kuala Lumpur sagte der Ministerpräsident Malaysias, Muslime wie Nicht-Muslime wollten der burmesischen Regierung sagen "genug ist genug". Zu der Kundgebung waren rund 20.000 Teilnehmer gekommen, wie die staatliche malaysische Nachrichtenagentur Bernama berichtet.

Najib forderte die Organisation Islamischer Staaten (OIC) sowie die Vereinten Nationen auf, gegen die Gewalt in Myanmar einzugreifen. "OIC, bitte schaut nicht nur zu, tut etwas. UN, die Welt kann nicht nur dasitzen und einem Völkermord zuschauen", sagte der Regierungschef des überwiegend muslimischen Lands Malaysia. Neben Najib nahmen Kabinettsmitglieder, führende Politiker der Regierungspartei UMNO sowie die Führungsspitze der islamischen Partei an der Kundgebung teil.

Die Regierung von Myanmar hatte Najib in den vergangenen Tagen eindringlich vor einer Teilnahme an der Rohingya-Kundgebung gewarnt. Malaysias Außenministerium wies diese Forderung zurück, die "Sorge" über die "humanitäre Krise" der Rohingya rechtfertige die Teilnahme. Tausende Rohingya hatten 2015 mit Booten versucht, über den Golf von Bengalen nach Malaysia zu fliehen. Deshalb warnte das malaysische Außenministerium, die Krise in Myanmar könne die "Sicherheit und das Ansehen von Malaysia berühren".

Friedensnobelpreisträgerin und Regierungschefin Suu Kyi möchte Versöhnung

An die Regierung unter der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gerichtet sagte Najib: "Glauben Sie etwa, wir bleiben still? Mit Sicherheit nicht". Suu Kyi hatte sich für eine Versöhnung zwischen den Volksgruppen ausgesprochen. "Wir müssen Frieden und nationale Versöhnung erreichen, damit unser Land in der Lage ist, Fortschritte zu erzielen", sagte sie vor wenigen Tagen in Singapur. Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan ist zur Zeit auf Einladung von Suu Kyi in Myanmar, um sich ein Bild der Situation zu machen.

Seit Anfang Oktober führt die Armee Myanmars im Norden der Region Rakhine eine Offensive gegen die unterdrückte muslimische Volksgruppe der Rohingya durch. In der Region wohnen rund 1,3 Millionen Rohingya, denen von dem buddhistischen Land die Staatsbürgerschaft verweigert wird. Anfang Oktober hatte eine unbekannte islamistische Gruppe am Grenzübergang zu Bangladesch neun Polizisten getötet.

Menschenrechtsorganisationen und den Vereinten Nationen zufolge soll die Armee bis zu 1.200 Häuser in Rohingya-Dörfer niedergebrannt und mit Kampfhubschraubern zahlreiche Menschen getötet haben. Nach Angaben der UN-Flüchtlingskommission in Bangkok sind seit Beginn der Armeeoffensive mehr als 10.000 Rohingya ins benachbarte Bangladesch geflohen.

Adama Dieng, Sonderbeauftragter für Genozid des UN-Generalsekretärs, forderte von der Regierung Myanmars, unabhängigen Beobachtern die Reise in die Konfliktregion zu gestatten. "Diese Vorwürfe müssen dringend verifiziert werden. Wenn sie wahr sind, steht das Leben von Tausenden Menschen auf dem Spiel", sagte Dieng.