Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi ist mit seiner Verfassungsreform spektakulär gescheitert. Im Referendum lehnten 60 Prozent der Wähler das Vorhaben ab. Die Niederlage und Renzis angekündigter Rücktritt haben in Europa unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.

Die italienische Opposition sieht ihren Kurs von dem Votum bestätigt. "Die Italiener sollten schnellstens zur Wahl gerufen werden", schrieb der Anführer der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, der Komiker Beppe Grillo, auf seinem Blog. "Jetzt bauen wir das Land wieder auf. Unsere Revolution macht nicht in Rom und Italien halt", schrieb Roms Bürgermeisterin, die Fünf-Sterne-Politikerin Virginia Raggi auf Twitter.

Bejubelt wurde das Ergebnis auch von der fremdenfeindlichen Lega Nord. Das Votum sei ein "Sieg des Volkes gegen starke Mächte", sagte Parteichef Matteo Salvini.

Unterstützung erhielt Salvini von der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen. "Die Italiener haben die EU und Renzi verurteilt. Man muss diesem Durst nach Freiheit der Nationen und Schutz zuhören."

Frankreichs Präsident François Hollande sprach Renzi nach der Wahl seinen Respekt aus. Renzi habe sich für mutige Reformen eingesetzt. Er teile den Willen des Italieners, Europa in Richtung Wachstum und Beschäftigung zu orientieren, sagte Hollande. Er hoffe außerdem, dass Italien die Kraft finde, um die Situation zu überwinden.

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn erwartet zunächst keine drastischen Folgen für die Europäische Union. "Ich sehe keine Niederlage für Europa", sagte Asselborn. "Italien hat über eine Reform abgestimmt." Ähnlich äußerte sich auch der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. "Schmeißt nicht alles durcheinander!", schrieb er auf Twitter.

"Ein Debakel"

Auch in Deutschland wird der Wahlausgang unterschiedlich bewertet. "Die Bundeskanzlerin hat den Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten mit Bedauern zur Kenntnis genommen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Entscheidungen der Italiener und Renzis seien aber zu respektieren. Deutschland werde auch einer neuen italienischen Regierung das Angebot einer engen Zusammenarbeit machen.

"Das ist ganz sicher kein positiver Beitrag in einer der schwierigsten europäischen Zeiten", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Renzi habe das Richtige getan, sei dafür aber von den Wählern nicht belohnt worden.

Bernd Riexinger, Chef der Linkspartei, begrüßte das Scheitern der Reform. "Ministerpräsident Renzi wollte mit dem Referendum einen Demokratieabbau vorantreiben, um sein neoliberales Programm durchzusetzen", sagte Riexinger.

Die Vorsitzende der Grünen, Simone Peter, sprach von einem Wahlergebnis, für das Renzi in Teilen selbst verantwortlich sei. Mit seiner Drohung, im Falle einer Niederlage zurückzutreten, habe Renzi die Kritiker des Vorhabens vor eine unmögliche Wahl gestellt, schrieb Peter auf Twitter: "Selbstaufgabe o. Chaos. Ein Debakel."

Co-Chef Cem Özdemir fürchtet nun "unnötige Turbulenzen" für Italien und die Europäische Union. Im Detail sei aber an der Verfassungsreform sicher manches kritikwürdig gewesen.