Rizgar Amin betritt im eleganten Anzug das Suleimanija Palace Hotel, ein Bau aus den frühen Jahren der Ära von Saddam Hussein. Der Ort des Treffens ist bewusst gewählt. Zehn Jahre ist es her, dass Hussein am 30. Dezember 2006 hingerichtet wurde. Ein Sondertribunal zur Aufklärung der Verbrechen des irakischen Diktators verurteilte ihn zum Tode durch den Strang – und Amin war der erste Richter Saddams.

Im Oktober 2005 begann der Prozess. Nach nur sieben Sitzungen gab Amin auf. "Meine Entscheidung war eine logische Folge dessen, was sich damals abspielte", sagt der heute 59-Jährige. "Mein Rücktritt war eine Botschaft an die damaligen Politiker, nicht in die Unabhängigkeit der Justiz einzugreifen. Ich wollte eine Trennung von Politik und Judikative. Dafür habe ich gearbeitet. Diese Trennung wird bis heute nicht respektiert."

Das Tribunal sei eine gute Chance für die Zukunft Iraks gewesen, sagt Amin und nippt an der kleinen Mokka-Tasse. Und dies nicht, um Schuldige hinzurichten, sondern um ein Exempel für faire Gerichtsverfahren zu etablieren. Doch es habe kaum ernst zu nehmende Beweisverfahren gegeben, die Prozessgestaltung sei unprofessionell verlaufen. "Ich wollte keine Polit-Show im Gerichtssaal."

Ein Kurde als Tribunalvorsitzender

Amin galt als integer und über jeden Verdacht der Korruption erhaben. Er gehörte keiner Partei an, seine Vergangenheit war unbefleckt und frei von Skandalen. Er schien die ideale Besetzung für den Posten des Vorsitzenden des Sondertribunals, das über die Verbrechen eines der grausamsten Herrscher der jüngsten Geschichte richten sollte. Noch nie stand ein Diktator im Nahen und Mittleren Osten vor einem Richter. Saddam Hussein und Rizgar Amin schrieben Rechtsgeschichte.

Amin ist Kurde, er stammt aus Suleimanija im Nordosten Iraks. Der Oberste Gerichtshof Kurdistans hatte ihn vorgeschlagen, als die zweite irakische Übergangsregierung unter Premier Ibrahim al-Dschafari, dem heutigen Außenminister Iraks, um die Benennung von einigen Richtern für das Sondergericht bat. Als Untersuchungsrichter für Straftaten war Amin früher oft aus Kurdistan ins 260 Kilometer entfernte Bagdad gereist. Er kennt die Hauptstadt gut. 1980 hatte er dort sein Jurastudium abgeschlossen. Da er sich geflissentlich weigerte, in die Baath-Partei einzutreten, machte er sehr spät Karriere. Erst Mitte der 1990er Jahre wurde er zum Chefrichter in den kurdischen Autonomiegebieten berufen.

Der Herr mit dem weißen Haar, dem graumelierten Schnauzbart und der schwarzen Robe mit weißem Satinband sollte zum Sinnbild des neuen Irak werden. Doch das Tribunal wurde zum Flop.

Die regierenden politischen Parteien, Regierungsinstitutionen wie das Justizministerium und auch Journalisten, die wie Söldner der Regierung agierten, hätten alles getan, um den Verlauf zu behindern, berichtet Amin. "Und natürlich einige aus den Reihen des vorherigen Regimes, Leute, die so weitermachen wollten wie bisher."