Die Sanktionen der USA gegen Russland wegen der mutmaßlichen Hackerangriffe während des US-Wahlkampfes sind auf russischer Seite mit scharfer Rhetorik beantwortet worden. Ministerpräsident Dmitri Medwedew warf US-Präsident Barack Obama vor, die Beziehungen der beiden Staaten zu gefährden. "Es ist bedauerlich, dass die Obama-Regierung, die mit einer Wiederherstellung unserer Beziehungen begann, ihre Amtszeit in antirussischer Agonie beendet", schrieb Medwedew in einem Tweet, den er mit "RIP" für "Ruhe in Frieden" versah.

Drastischer äußerte sich die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. "Das ist keine Regierung. Das ist eine Gruppe außenpolitischer Versager, böse und beschränkt", schrieb Sacharowa auf ihrer privaten Facebookseite mit Blick auf die Regierung von Obama. Statt seine Amtszeit mit einem "eleganten Punkt" zu beenden, steige der US-Präsident "mit einem fetten Klecks" aus.

Für Freitag kündigte Sacharowa seitens der russischen Politik "offizielle Mitteilungen, Gegenmaßnahmen und vieles mehr" an. Ein erster Schritt wurde offenbar schon umgesetzt: Laut CNN haben die russischen Behörden die Schließung einer unter anderem von der US-Botschaft betriebene Schule in Moskau angekündigt.

Obama hatte als Reaktion auf die Hackerangriffe die Ausweisung von 35 russischen Diplomaten angeordnet. Auch wurden Strafen gegen die russischen Geheimdienste GRU und FSB verhängt. So sollen etwa in den USA angelegte Vermögen eingefroren werden. In einem ersten Schritt riegelten die US-Behörden am Donnerstag ein russisches Anwesen im US-Bundesstaat Maryland ab. Dieses galt als Freizeitanlage für russische Diplomaten – diente nach Angaben des Weißen Hauses aber auch als Ort für Geheimdienstaktivitäten. Auch in New York wurde ein russisches Gebäude gesperrt.

"Wichtiges Signal für Russland"

Aus dem Weißen Haus hieß es, die Maßnahmen seien ein wichtiges Warnsignal für Russland. "Wir haben jeden Grund zur Annahme, dass sie sich auch weiterhin in demokratische Wahlen einmischen werden, darunter von einigen unserer europäischen Verbündeten", sagte ein Regierungsbeamter, der nicht namentlich genannt werden wollte. Auch in Deutschland gibt es Befürchtungen, dass es im Vorfeld der Bundestagswahl im kommenden Jahr zu Hackerangriffen kommen könnte.

Der Schritt war auch vom russischen Regierungssprecher Dmitri Peskow scharf kritisiert worden. Obama verhalte sich wie "ein Elefant im Porzellanladen", sagte Peskow. "Ich kann noch nicht sagen, wie die Antwort ausfallen wird, aber soweit wir wissen, gibt es zum Prinzip gleicher Gegenmaßnahmen keine Alternative." Allerdings gehe er davon aus, dass die Regierung des gewählten US-Präsidenten Trump die "ungeschickten Maßnahmen" rückgängig machen werde.

Zuvor hatte die russische Botschaft in Großbritannien mit Spott auf Obamas Ankündigung reagiert. Der Schritt erinnere an den Kalten Krieg. Man sei "wie jedermann" froh, das Ende "dieser glücklosen" – und am 20. Januar aus dem Amt scheidenden – Regierung zu sehen, twitterte die Vertretung. Angehängt war das Bild einer "lame duck" – so wird der scheidende US-Präsident traditionell genannt.