Ein neues Programm der EU-Kommission soll Jugendliche dazu motivieren, sich freiwillig grenzübergreifend bei Notfällen zu engagieren. Die EU-Kommission hat dazu mit dem sogenannten Solidaritätskorps einen Freiwilligendienst gegründet, dem sich junge Europäer etwa bei Naturkatastrophen oder in der Flüchtlingshilfe anschließen können.

Mit dem Angebot sollen Solidarität und berufliche Qualifikationen gefördert werden. Wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte, können sich Interessierte zwischen 18 und 30 Jahren seit heute dafür registrieren; die ersten Einsätze sollen 2017 starten. Die EU-Kommission hofft in den vier Jahren auf 100.000 Teilnehmer.

Die EU-Kommission zitierte ihren Präsidenten Jean-Claude Juncker mit den Worten, das Korps biete jungen Menschen die Möglichkeit, sich in die Gesellschaft einzubringen und Solidarität zu zeigen – der zentrale Wert der Europäischen Union. Weniger als Verträge oder ökonomische Interessen werde die EU durch Werte zusammengehalten. Diese würden von freiwilligen Helfern jeden Tag gelebt.

Das Programm sieht Einsatzmöglichkeiten zwischen zwei und zwölf Monaten vor, entweder als Stipendien für Freiwillige im Krisenfall oder als Unterstützung für Praktika oder Ausbildungsplätze in vielen unterschiedlichen Sektoren, etwa Bildung, Gesundheit, Sozialdienste, aber auch Umweltschutz oder der Aufbau von Notunterkünften. Damit werde der Wert der Solidarität gestärkt, aber die Teilnehmer bekämen auch die Gelegenheit, wichtige Fähigkeiten zu lernen, die bei ihrer künftigen beruflichen Entwicklung helfen können, etwa interkulturelle Kompetenzen und Sprachkenntnisse, teilte die EU-Kommission mit.  

Das Solidaritätskorps ist Teil eines größeren Programms, mit dem die EU die Qualifizierung und Beschäftigung Jugendlicher fördern will. Darauf hatten sich die Staats- und Regierungschefs Mitte September in Bratislava geeinigt. Laut der EU-Statistikbehörde Eurostat sind in der EU 4,2 Millionen junge Menschen erwerbslos; am höchsten ist die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland, wo fast jeder Zweite unter 25 Jahren keinen Job hat, und in Spanien. Dort haben mehr als 40 Prozent der jungen Menschen keine Anstellung.

Kirchen kritisieren "unnötige Parallelstrukturen" und Finanzierung

Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend kritisierten den neuen Dienst. Damit würden "unnötige Parallelstrukturen" geschaffen, sagte die Jugendreferentin der EKD, Doris Klingenhagen in Brüssel. Bereits heute drückten junge Menschen in Europa ihre Solidarität in verschiedenen Projekten aus, sagte Klingenhagen und verwies auf den Europäischen Freiwilligendienst, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen gefeiert hatte. 

Im Grunde bleibe unbeantwortet, was das Europäische Solidaritätskorps jungen Menschen als "wirkliches Plus" bieten könne, so Klingenhagen. Sie wies darauf hin, dass eine klare Trennung von Beschäftigungsmaßnahmen und Freiwilligendiensten erhalten bleiben müsse. Freiwilligendienste seien als Bildungs- und Orientierungszeit gedacht.

Ein weiterer Kritikpunkt sei die Finanzierung. Evangelische und katholische Organisationen der Jugend- und Erwachsenenbildung befürchten, dass durch das Solidaritätskorps weniger Geld für internationale Jugend- und Erwachsenenprojekte zur Verfügung stehen könnte. Bereits jetzt lägen die Bewilligungsquoten für Projekte im Bereich des außerschulischen Lernens im Programm Erasmus Plus deutlich unter denen für den Studentenaustausch. Grund sei zu wenig Geld. Auch das Europäische Solidaritätskorps soll teilweise über das Programm Erasmus Plus finanziert werden.