Der Widerstand der Rebellen in der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo wird schwächer. Die Truppen des Präsidenten Baschar al-Assad hätten die gesamte Altstadt Aleppos unter ihre Kontrolle gebracht, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Rebellen seien zu einem Rückzug aus dem Gebiet gezwungen, weil sie Gefahr liefen, eingekesselt zu werden, berichteten die Aktivisten. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Regierungstruppen hätten am frühen Morgen die Stadtteile Aghir und Bab al-Hadid im Zentrum von Alt-Aleppo eingenommen.

Bereits am Dienstag hatten die Regierungsarmee und ihre Verbündeten das strategisch wichtige Viertel Al-Schaar eingenommen. Insgesamt hätten die Aufständischen in den vergangenen zwei Wochen rund zwei Drittel des belagerten Ostteils der Stadt eingebüßt, meldete die Beobachtungsstelle. Für Assad wäre die Einnahme von großer strategischer Bedeutung: Mit einem Fall Ost-Aleppos würden die Rebellen ihre letzte wichtige Stadt verlieren, das würde die Position des Präsidenten stärken.

Aleppo zählt im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg zu den am stärksten umkämpften Gebieten. Die Rebellen hatten die östlichen Bezirke der Stadt im Sommer 2012 eingenommen. Gefechte und Luftangriffe haben eine Massenflucht in Ost-Aleppo ausgelöst: Die Menschenrechtsbeobachter teilten mit, seit Mitte November hätten rund 80.000 Menschen ihre Häuser in den Rebellengebieten verlassen.

Aus Regierungskreisen hieß es, es gebe Verhandlungen der syrischen und russischen Armee mit Rebellen über einen Abzug der oppositionellen Milizen aus Aleppo. Von Seiten der Rebellen gab es dazu keine Bestätigung.

Die Rebellenmilizen forderten eine fünftägige Feuerpause, damit Verletzte und Zivilisten aus der Stadt gebracht werden könnten. Erst wenn sich die humanitäre Lage verbessert habe, könne über eine Zukunft der Stadt verhandelt werden, hieß es in einer Erklärung. Die Regierung in Damaskus will einer neuen Waffenruhe erst zustimmen, wenn die bewaffneten Regimegegner Aleppo verlassen haben.

Diese Video soll 360-Grad-Aufnahmen von Aleppo zeigen. Es wurde vom Aleppo Media Center hochgeladen, das seit September 2012 Videos auf der Plattform veröffentlicht.

Der Fall Aleppos wäre für Assad ein sowohl propagandistisch wie auch strategisch bedeutender militärischer Erfolg, der sich nach Ansicht von Experten zu einer Wende im 2011 ausgebrochenen Aufstand gegen seine Herrschaft entwickeln könnte. Assad wird von der russischen Luftwaffe sowie iranischen und libanesischen Schiiten-Milizen unterstützt. Ihm stehen diverse Rebellengruppen gegenüber, die sich teils auch untereinander bekämpfen. Die USA haben bislang gemäßigte Rebellen zusammen mit Verbündeten aus der Luft unterstützt. Ziel der USA ist jedoch nicht der Kampf gegen Assad, sondern gegen die Extremistengruppe "Islamischer Staat".

Auf Seiten der russischen Streitkräfte, die die Offensive der syrischen Armee in Aleppo unterstützen, ist ein Militärberater getötet worden, wie das Verteidigungsministerium in Moskau laut der Agentur Tass mitteilte. Der Offizier sei bei Artilleriefeuer auf ein Wohnviertel im Westen der Stadt schwer verletzt worden und später gestorben. Ärzte hätten mehrere Tage um sein Leben gekämpft. Erst am Montag waren bei Beschuss eines Feldlazaretts in Aleppo eine russische Ärztin und eine Helferin getötet worden.