Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in einem Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin für eine sofortige Waffenruhe in Aleppo eingesetzt. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch sagte, verlangte die Kanzlerin in dem Telefongespräch am Dienstag ungehinderten Zugang für humanitäre Helfer. Als wichtigster Verbündeter stehe Russland "in der Verantwortung", die syrische Regierung zu "überzeugen".

"Es ist nicht zu spät, sinnloses Blutvergießen zu verhindern", sagte Seibert. Es sei immer noch möglich, "Überlebende in Sicherheit zu bringen" und sich auf eine landesweite Waffenruhe zu einigen.

Die Bundesregierung erhob schwere Vorwürfe gegen die russische Regierung. Die unmittelbar bevorstehende Eroberung Aleppos durch die Regierungstruppen sei ohne die "massive russische Militärunterstützung nicht möglich gewesen", sagte Seibert. "Niemand weiß, wie viele Menschen im syrisch-russischen Bombenhagel gestorben sind." Russland habe "die Verbrechen der letzten Tage nicht verhindert, obwohl das in seiner Macht gestanden hätte". Die Regierung in Moskau habe "alle Appelle ignoriert" und auch die Bemühungen im UN-Sicherheitsrat blockiert.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, hatte ihren russischen Kollegen bei der Debatte zu Aleppo im Sicherheitsrat UN heftig angegriffen. "Schämen Sie sich gar nicht?", fragte sie.

UN fordern Abzug der Zivilisten

Die Vereinten Nationen forderten derweil freien Abzug für Zivilisten aus dem Osten Aleppos. Eine solche Möglichkeit sei zwingend nötig, teilte die UN-Kommission zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen in Syrien mit. Die syrische Regierung und ihre Verbündeten trügen mittlerweile die Hauptverantwortung für den Schutz vor Rechtsverletzungen und Repressalien in der Stadt.

Es gebe ständig neue Berichte über Rechtsverstöße regierungstreuer Soldaten und Milizen, kritisierte die Kommission. Unter anderem sei von Massenhinrichtungen, willkürlichen Festnahmen, Zwangsrekrutierungen und Entführungen die Rede. Aber auch Rebellengruppen wie Ahrar al-Scham und Fatah al-Scham werde vorgeworfen, Zivilisten am freien Abzug zu hindern und ihre Kämpfer zwischen Zivilisten zu verstecken.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte am Mittwoch bei einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen John Kerry, dass die syrische Regierung bereit sei, den Rebellen freien Abzug zu gewähren. Syriens Machthaber Baschar al-Assad kündigte an, dass die Armee weiterhin mit Härte gegen die Rebellen vorgehen werde. "Von einer Feuerpause kann keine Rede sein", sagte Al-Assad dem russischen Staatsfernsehen in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview. Mit Milde könnten nur jene "Terroristen" rechnen, die sich ergeben oder den Kampfort verlassen würden. Die Kämpfe würden so lange weitergehen, bis "das ganze Land von Terroristen gesäubert" sei.

Luftangriffe auf den Osten Aleppos

Statt die für heute geplante Evakuierung zu erlauben, wurde das etwa 2,5 Quadratkilometer große verbliebene Rebellengebiet im Osten Aleppos aus der Luft angegriffen. Augenzeugen berichten von Artilleriebeschuss. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad mindestens 14 Granaten in die noch von den Rebellen gehaltenen Straßenzüge abgeschossen.

Syrischen Oppositionsgruppen zufolge würden iranische Kämpfer und Milizen der Hisbollah auf vier Bezirke feuern, die noch unter Kontrolle der Aufständischen stehen. Iranische Einheiten sollen Flüchtlinge gestoppt haben, die bereits einen russischen Kontrollpunkt passiert hatten.

Der Iran fordert die Freilassung iranischer Geiseln im von der syrischen Opposition kontrollierten Idlib. Dort sollen Rebellen erneut eingekesselte schiitische Dörfer beschossen haben.

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