Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat eine Einstellung der Luftangriffe auf die noch von Rebellen kontrollierten Gebiete Ost-Aleppos abgelehnt. "Die Angriffe werden so lange weitergehen, wie noch Banditen in Aleppo sind", sagte Lawrow am Rande des OSZE-Ministerrats in Hamburg. Er kritisierte zugleich westliche Äußerungen zur Lage in der syrischen Stadt Aleppo als "hysterisch".

Lawrow relativierte auch seine Ankündigen vom Donnerstagabend zu einer begrenzten Feuerpause in Aleppo. Er sprach nun von einer "humanitären Unterbrechung" der Angriffe. Ziel sei gewesen, "dass Zivilisten die Stadt verlassen konnten, die dies wollten". Von einer Einstellung der Kampfhandlungen sei dagegen nie die Rede gewesen.

Derzeit läuft eine Großoffensive der Regierungstruppen auf Aleppo, die die gesamte Stadt zurückerobern wollen. Aleppo ist seit Jahren umkämpft und war bis vor Kurzem in einen von der Regierung kontrollierten Westen und einen von Aufständischen gehaltenen Osten geteilt. Mittlerweile kontrolliert die syrische Armee aber wieder mehr als 85 Prozent von Ost-Aleppo.

Hunderte Männer nach Flucht verschwunden?

Nach Angaben Russlands sind bereits Tausende Zivilisten in Sicherheit gebracht worden: Die russische Armee habe in den vergangenen 24 Stunden dabei geholfen, dass mehr als 8.000 Menschen aus dem von Rebellen gehaltenen Osten der Stadt hätten fliehen können, teilte das Militär am Freitagmorgen mit. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht.

Die Vereinten Nationen befürchten unterdessen, dass Hunderte Männer nach der Flucht aus Ost-Aleppo verschwunden sind. Es gebe "sehr besorgniserregende" Angaben, wonach Hunderte vermisst würden, nachdem sie in von Regierungstruppen kontrollierte Gebiete geflohen seien, sagte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville. Es sei allerdings schwierig, dies in einer solchen "gefährlichen Situation" zu überprüfen.

Syrien - Kämpfe in Aleppo dauern an Seit Tagen nehmen syrische Regierungstruppen ein Viertel nach dem anderen im Ostteil der Stadt ein. Trotz der bevorstehenden Niederlage lehnen die Rebellen einen Abzug aus dem Ostteil Aleppos ab. © Foto: Screenshot/AFP

Russische und US-amerikanische Experten sollen an diesem Samstag in Genf über einen möglichen Abzug von Kämpfern aus dem Osten der Stadt beraten. Parallel dazu findet in Paris ein Ministertreffen der sogenannten Syrien-Freundesgruppe statt, bei dem auch US-Außenminister John Kerry und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dabei sind.

Lawrow sagte, er sehe Chancen für eine Absprache zu Aleppo mit den USA: "Wenn sich die US-Experten nicht wieder etwas ausdenken und auf den Tisch legen – wie zuletzt vor ein paar Tagen –, dann gibt es eine sehr gute Möglichkeit, sich zu einigen", sagte Lawrow.

Die syrische Armee hat ein Video mit Luftaufnahmen aus Aleppo veröffentlicht. Nachfolgend ist das Video zu sehen, das von der Nachrichtenagentur Reuters veröffentlicht wurde. Wir wissen allerdings nicht, von wann die Aufnahmen stammen und welche Bilder die Armee (bewusst) nicht zeigt: