In Ankara ist der russische Botschafter in der Türkei getötet worden. Augenzeugen und dem russischen Außenministerium zufolge erschoss ein türkischer Polizist den Diplomaten Andrej Karlow, während dieser eine Fotoausstellung in der türkischen Hauptstadt eröffnete. Mehrere weitere Menschen wurden verletzt. Die Sprecherin des russischen Außenministerium sprach von einem Akt des Terrors. Der Vorfall werde umgehend vor den UN-Sicherheitsrat gebracht.

Ort des Attentats

Çağdaş Sanat Merkezi, Ausstellungshalle im Viertel Çankaya

Der Schuss fiel, als Karlow eine Rede hielt. Nach Angaben von Augenzeugen – etwa des Journalisten Hasim Kilic von der Tageszeitung Hürriyet sowie eines ebenfalls vor Ort anwesenden Fotografen der Nachrichtenagentur AP – eröffnete der mit einem schwarzen Anzug bekleidete Täter gegen Ende der Rede das Feuer. Er soll demnach zunächst in die Luft und dann gezielt auf den Botschafter geschossen haben. 

Ein Video zeigt den Schützen kurz nach den Schüssen auf Botschafter Karlow. Auf den Bilder sieht man ihn laut rufend hin- und herlaufen. Er ruft mehrmals "Allahu Akbar". Dazu hört man ihn rufen "Vergesst nicht Syrien" und "Vergesst nicht Aleppo". Unmittelbar nach den Schüssen ruft der Angreifer zunächst auf arabisch: "Wir sind diejenigen, die dem Propheten Mohammed Treue und dem Dschihad Treue schwören" – ein Satz, den auch syrische Islamisten rufen, wenn sie ins Gefecht ziehen. Der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge wurde der Angreifer anschließend von Sicherheitskräften "neutralisiert". Es blieb zunächst unklar, ob er getötet oder gefasst wurde.

Attentat in Ankara - Putin will Kampf gegen den Terrorismus ausweiten Der russische Botschafter Andrej Karlow wurde in Ankara erschossen. Wladimir Putin sagt, das Attentat werde die Normalisierung der russisch-türkischen Beziehungen nicht verhindern.

Täter soll Polizist gewesen sein

Innenminister Süleyman Soylu teilte mit, es habe sich bei dem Attentäter um einen 22-jährigen Polizisten aus Ankara gehandelt.  Nach Angaben der regierungsnahen Tageszeitung Yeni Safak handelt es sich um ein Mitglied einer Spezial-Eingreiftruppe. Innenminister Süleyman Soylu bestätigte, der Angreifer sei 22 Jahre alt und seit zweieinhalb Jahren als Polizist in der Hauptstadt tätig.

Die Ausstellungseröffnung fand im Cagdas Sanatlar Merkezi statt, einer wichtigen Ausstellungshalle im Cankaya-Viertel der türkischen Hauptstadt, in dem die russische sowie viele andere Botschaften liegen. Das Gebäude wurde von türkischen Sicherheitskräften umstellt. Laut der russischen Agentur RIA wurden auch die Sicherheitsvorkehrungen rund um die russische Botschaft erhöht.

In den vergangenen Tagen hatte es in der Türkei wiederholt Proteste vor den Botschaften des Iran und Russlands wegen deren Unterstützung für die Offensive der syrischen Regierungstruppen gegen die Rebellen im syrischen Aleppo gegeben. In der türkischen Bevölkerung ist die Empörung groß über das Vorgehen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad in der nordsyrischen Großstadt, die von der syrischen Armee fast vollständig von den Rebellen zurückerobert wurde.

Syrien-Treffen soll stattfinden

Das Verhältnis Moskaus und Ankaras hatte sich nach einer mehrmonatigen Krise zuletzt wieder verbessert. Beide Länder vermittelten vergangene Woche ein Abkommen zum Abzug der verbliebenen Rebellenkämpfer und Zivilisten aus dem Osten Aleppos.

Für Dienstag ist ein Treffen der Außenminister Russlands, der Türkei und des Iran zum Syrien-Konflikt in Moskau geplant. Nach Angaben des ranghohen russischen Parlamentsabgeordneten Leonid Slutski soll das Treffen auch wie geplant stattfinden. "Trotz dieser Tragödie sollten wir konstruktiv arbeiten", sagte der Chef des außenpolitischen Ausschusses der Staatsduma. Es sei wichtig, den "gesunden Menschenverstand" zu benutzen. Sein Kollege Viktor Oserow vom Sicherheitsausschuss sprach von einem Anschlag auf das russisch-türkische Verhältnis. Die Drahtzieher wünschten sich offenbar eine Eintrübung der bilateralen Beziehungen.