Die türkische Regierung hat mit Massenverhaftungen auf den Anschlag in Istanbul am Samstag reagiert. In mehreren Städten des Landes führte die Polizei Razzien gegen die prokurdische Oppositionspartei HDP durch und nahm dabei 220 Menschen fest. Darunter seien Bezirksvorsitzende der Partei, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Ihnen werde Propaganda für oder Mitgliedschaft in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen.

In der Hauptstadt Ankara wurden laut Anadolu 17, in Istanbul 20 Menschen festgenommen. Weitere Polizeieinsätze gab es demnach im südtürkischen Adana, in Manisa und Mersin. Dem Bericht zufolge sind 13 Verdächtige im Zusammenhang mit dem Attentat verhaftet worden.

Zudem flogen türkische Militärflugzeuge Angriffe gegen zwölf Stellungen der PKK im Norden des Iraks, berichtete Anadolu unter Berufung auf Sicherheitskreise. Dabei seien Waffenlager und Bunker zerstört worden.

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu kündigte weitere "entschlossene Schritte im Kampf gegen den Terror" an. Aufgabe der Regierung sei es, "Terrororganisationen und ihre "Marionetten" aus der Region "für immer zu eliminieren".
 

Bei den Anschlägen auf die Polizei in Istanbul waren am Samstagabend 44 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Polizisten. Zu den Taten bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), eine kurdische Extremistengruppe, die der PKK nahestehen soll. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte nach dem Doppelanschlag Vergeltung angekündigt. Die Attentäter würden "einen hohen Preis zahlen", sagte er. Die PKK-Splittergruppe TAK schrieb auf ihrer Internetseite, sie habe auf die Gefangenschaft des PKK-Anführers Abdullah Öcalan und die türkischen Militäroperationen vor allem im Südosten des Landes aufmerksam machen wollen.

Der Co-Vorsitzende der HDP, Selahattin Demirtaş, verurteilte die Anschläge in Istanbul und drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Die Gesellschaft müsse gegen die Gewalt zusammenstehen, sagte er. Demirtaş rief dazu auf, auch in diesen schwierigen Zeiten für Frieden einzutreten.

Explosionsort in Istanbul

Die türkischen Sicherheitskräfte gehen seit dem gescheiterten Militärputsch im Juli hart gegen kurdische Oppositionspolitiker vor. Unter anderem wurden die beiden Co-Vorsitzenden der HDP sowie Dutzende prokurdische Bürgermeister im Südosten des Landes festgenommen.