Ein frohes Weihnachtsfest wünscht der Leiter der deutschen Abteilung am Instanbul Lisesi, dem türkisch-deutschen Gymnasium. Unter dem besinnlichen Wunsch auf der Website prangt ein Foto vom schneebedeckten Dach der Schule mit Blick auf die Hagia Sophia, eines der Wahrzeichen der Metropole am Bosporus. Besinnlich aber war zuletzt nichts an der traditionsreichen deutsch-türkischen Elite-Schule, die mit einem angeblichen Weihnachtsverbot Schlagzeilen machte.

Jetzt aber steht der Weihnachtsfrieden von Istanbul. "Nach gemeinsamer Sitzung zwischen der türkischen Schulleitung und der Leitung der Deutschen Abteilung kann ich Ihnen mitteilen, dass kein Verbot 'Weihnachten' im Unterricht zu besprechen vorliegt", hieß in einer E-Mail der deutschen Abteilungsleitung an die deutschen Lehrer.

Längst hatten sich aber deutsche Politiker aus allen Parteien geäußert. Der Religionsbeauftragte der Unionsfraktion, Franz Josef Jung (CDU), sagte: "vollkommen inakzeptabel". CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: Ein Beweis, "dass die Erdoğan-Türkei alle Brücken nach Europa abreißt". Der außenpolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour: "Wenn die türkische Regierung darauf nicht eingeht, dann muss die Finanzierung für die Schule eingestellt werden." Die Linken-Politikerin Sevim Dağdelen: "Es zeigt sich, wie weit der islamistische Wahn der AKP mittlerweile geht." Zu all diesen Aussagen ließen sich die Politiker bewegen, als die Informationslage noch nicht eindeutig war.

Auch die Bundesregierung drückte zunächst sehr schnell ihr Bedauern aus – und ruderte später zurück. Am Sonntag teilte das Auswärtige Amt mit: "Es ist sehr schade, dass die gute Tradition des vorweihnachtlichen interkulturellen Austausches an einer Schule mit langer deutsch-türkischer Tradition in diesem Jahr ausgesetzt wurde." Am Montag herrschte in Steinmeiers Behörde dann Zuversicht, dass die Schule in Kürze mitteilen werde, "dass hoffentlich die Missverständnisse ausgeräumt sind". Regierungssprecher Steffen Seibert versicherte am Montag, dass der Fall sich nicht als Ausgangspunkt für eine Debatte über die gesamte Türkei-Politik der Bundesregierung eigne.

Eine Meldung der dpa bringt alles ins Rollen

Wie aber ist es überhaupt so weit gekommen? Ist der Vorfall ein weiteres Beispiel dafür, wie der türkische Staat sein islamisch-konservatives Weltbild ausweitet? Oder wollten das deutsche Politiker so sehen, weil es ins momentane Bild der schwierigen Beziehungen zur Türkei passt?

Beim Istanbul Lisesi handelt es sich um eine staatliche türkische Schule. Sie hat aber zugleich den Status einer deutschen Auslandsschule – zu deren Zielen es ausdrücklich gehört, die deutsche Kultur zu vermitteln. 35 deutsche Lehrer arbeiten dort, sie werden aus Deutschland bezahlt.

Die Meldung über das Weihnachtsverbot hatte die Nachrichtenagentur dpa ins Rollen gebracht, zahlreiche Medien griffen sie auf. Die dpa sah sich später gar genötigt, im Detail über ihren Rechercheweg zu informieren.

Demnach wurde einer Reporterin vor Ort eine Mail zugespielt, die die Leitung der deutschen Abteilung am Istanbul Lisesi vergangenen Dienstag an die deutschen Lehrer geschrieben hatte: "Es gilt nach Mitteilung durch die türkische Schulleitung eben, dass ab sofort nichts mehr über Weihnachtsbräuche und über das christliche Fest im Unterricht mitgeteilt, erarbeitet sowie gesungen wird", heißt es darin.