Der UN-Sicherheitsrat hat die Entsendung einer Beobachtermission nach Aleppo beschlossen. Das Gremium votierte einstimmig für eine entsprechende Resolution und rief den UN-Generalsekretär dazu auf, mit den Konfliktparteien Absprachen zu treffen, damit die Sicherheit der UN-Beobachter in der syrischen Stadt gewährleistet ist.

Die Beobachter sollen die Evakuierungsaktionen aus dem bislang von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt überwachen und über die Lage der noch verbliebenen Bewohner berichten. In dem Resolutionstext heißt es, der Generalsekretär solle "dringende Schritte unternehmen, inklusive Sicherheitsmaßnahmen, um die Beobachtung durch die Vereinten Nationen und andere relevante Organisationen" in die Wege zu leiten. Auch der freie Zugang für humanitäre Hilfe wird gefordert.

Die Resolution ist ein Kompromiss, dem zähe Verhandlungen vorausgegangen waren. Er sieht nun vor, dass die Vereinten Nationen in Abstimmung mit der syrischen Regierung und den Rebellen "das Wohlergehen der Zivilisten" in Aleppo beobachtet. Weiter heißt es in dem Resolutionstext, alle Konfliktparteien seien dazu aufgerufen, für humanitäre Hilfe einen "vollständigen, unmittelbaren, bedingungslosen, sicheren und ungehinderten Zugang" nach Aleppo zu ermöglichen. Evakuierungen dürften nur freiwillig erfolgen, die Evakuierten dürften ihr Ziel selbst bestimmen, heißt es weiter. Es solle ihnen freistehen, in Regierungsgebiet oder auf von Rebellen kontrolliertes Territorium gebracht zu werden. Zurückgebliebene Bewohner müssten geschützt werden.

Für die Resolution stimmten sowohl die USA als auch Russland. Beide UN-Veto-Mächte verfolgen in Syrien jedoch gänzlich unterschiedliche Ziele. Während Russland den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad an der Regierung halten will und dessen Truppen im Kampf um Aleppo seit Wochen unterstützt, stehen die USA an der Seite der als moderat geltenden Rebellen.  

Vor einigen Tagen war es Assads Truppen gelungen, mit massiver Hilfe der russischen Luftwaffe und vom Iran gesteuerter schiitischer Milizen die Rebellen in Ost-Aleppo auf ein kleines Kerngebiet zurückzudrängen. Damit steht Assad kurz davor, die Herrschaft über die gesamte Millionen-Metropole wieder zu erlangen. Den jetzigen Beschluss des UN-Sicherheitsrates wertete der syrische UN-Botschafter als "Teil der fortgesetzten Propaganda gegen Syrien und seinen Kampf gegen Terroristen".

15.000 Menschen konnten Aleppo verlassen

Die Resolution hätte eigentlich schon am Sonntag verabschiedet werden sollen. Die Entscheidung war dann aber nach einer russischen Veto-Drohung und mehr als drei Stunden Verhandlungen hinter verschlossenen Türen auf Montag verschoben worden. Russland hatte seinen eigenen Text eingebracht. Schließlich einigten sich die 15 Mitglieder auf den Kompromissentwurf.

Die Evakuierung der Stadt ist in den vergangenen Tagen immer wieder ins Stocken geraten. Dennoch ist es seitdem gelungen, etwa 15.000 Menschen aus der Stadt zu bringen, teilte das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) mit. Allein seit der Wiederaufnahme der Transporte am Sonntagabend seien rund 5.000 Menschen in das Umland südwestlich von Aleppo gebracht worden, teilte IKRK-Sprecherin Ingy Sedky am Montag mit.