US-Präsident Barack Obama hat weite Teile der Arktis und Gebiete im Atlantik für Öl- und Gasbohrungen gesperrt – ein Schlag gegen die Energiepolitik seines designierten Nachfolgers Donald Trump. Gesperrt bleiben laut einer Mitteilung des Weißen Hauses die Tschuktschensee und die Beaufortsee sowie die kompletten Arktis-Gewässer vor Kanada.

Damit sollen die einzigartigen und vielfältigen Ökosysteme sowie die Interessen der Ureinwohner geschützt werden, hieß es aus dem Weißen Haus. Der Schritt Obamas erfolgte in Kooperation mit Kanadas Premier Justin Trudeau, dessen Regierung ebenfalls einen Stopp entsprechender Lizenzen für arktische Gewässer verhängte.

Durch die Maßnahme soll laut Weißem Haus das Risiko von Ölverschmutzungen durch riskante Bohrvorhaben in technisch schwer beherrschbaren Gebieten verringert werden. Zudem werde Obama große Teile der atlantischen Küstenregion im Osten der USA von Neu-England bis Virginia für Ölvorhaben sperren. Bereits bestehende Lizenzen seien von den Sperrungen aber nicht betroffen.

Schutzzonen so groß wie Spanien

Obamas Vorgehen ist durch ein Gesetz von 1953 legitimiert, das ihm die dauerhafte Sperrung von Gewässern für Offshore-Bohrungen erlaubt. Umweltschützer hoffen, dass der künftige Präsident Donald Trump die Maßnahme nicht mehr umkehren kann. Das Weiße Haus zeigte sich optimistisch, dass die Verfügung möglichen juristischen Anfechtungen standhalten werde. Der Wortlaut des Gesetzes lasse künftigen Präsidenten keinen Spielraum, die Sperrungen auszuhebeln, hieß es.

Trump gilt als Verfechter fossiler Energieträger. Ein hochrangiger Regierungsvertreter legte nahe, dass der Republikaner Obamas Entscheidung nicht ohne einen entsprechenden Entschluss des Kongresses rückgängig machen könne.

Die Schutzzonen in der Arktis sind in etwa so groß wie Spanien, außerdem wurden 31 unterseeische Canyons im Atlantik unter Schutz gestellt. Damit werde "ein sensibles und einzigartiges Ökosystem geschützt", begründete Obama seine Entscheidung. Bei Ölbohrungen sei die Gefahr beträchtlich, dass Öl ins Meer laufe. Die Möglichkeiten, das Meer von einer solchen Ölpest zu befreien, seien "unter den rauen Bedingungen der Region" aber begrenzt.

Ölkonzern-Manager als Außenminister

Während Obamas Amtszeit hatte sich mit der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon die schwerste Ölkatastrophe in der Geschichte der USA ereignet. Bei der Umweltkatastrophe im April 2010 waren Hunderte Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko geflossen. Erst nach rund drei Monaten konnte der Ausfluss gestoppt werden.

Das American Petroleum Institute, eine Lobbyorganisation für fossile Energieträger, kritisierte, Obamas Blockade der Ölbohrungen werde "unsere nationale Sicherheit schwächen, gut bezahlte Jobs zerstören und Energie weniger erschwinglich für die Verbraucher machen". Die Umweltorganisation Sierra Club begrüßte die Entscheidung. "Präsident Obama konsolidiert erneut eine beispiellose Klimabilanz", teilte die Organisation mit.

Nach seinem Amtsantritt am 20. Januar wird Trump voraussichtlich versuchen, einige dieser Entscheidungen Obamas rückgängig zu machen. Der Immobilienmilliardär nominierte den Chef des Ölkonzerns ExxonMobil, Rex Tillerson, als Außenminister und einen Verfechter fossiler Energieträger, Scott Pruitt, als Chef der Umweltbehörde EPA.