Der künftige US-Präsident Donald Trump hat mit negativen Äußerungen über den Flugzeugbauer Boeing für Unruhe an den Märkten gesorgt. Die Kosten eines Flugzeuges für die Air Force One seien mit vier Milliarden Dollar außer Kontrolle geraten, twitterte Trump. Boeing solle gewiss viel Geld verdienen – aber auch nicht so viel, sagte er vor Journalisten. Auf Twitter ergänzte er: Der Auftrag müsse gestoppt werden. Daraufhin verlor die Aktie des Flugzeugbauers kurzzeitig deutlich.

US-Medien fürchten bereits, Trump könne seinen unberechenbaren Stil aus dem Wahlkampf auch in seiner Regierungszeit beibehalten: Quasi aus dem Nichts äußert sich der designierte US-Präsident über Firmen und bringt sie in die Schlagzeilen, ungeachtet möglicher Folgen.

Der gestrige Dienstag lieferte weitere Beispiele dafür. Trump äußerte sich über Twitter und auf einer Veranstaltung in North Carolina gleich zu mehreren Themen – meist, ohne dabei ins Detail zu gehen. So verkündete er eine angebliche Großinvestition des japanischen Konzerns Softbank in den Vereinigten Staaten. Der Milliardär und Chef des Internet- und Technologieunternehmens Masayoshi Son habe zugestimmt, 50 Milliarden Dollar (47 Milliarden Euro) in den USA zu investieren, gab Trump über Twitter bekannt. Dadurch würden 50.000 neue Jobs entstehen. Softbank hätte diese Entscheidung nie getroffen, wenn er nicht die Wahl gewonnen hätte, behauptete er. Finanzielle Details und ein Zeitrahmen des Deals blieben unklar.

Die Washington Post schreibt allerdings, die Milliardeninvestition der Japaner sei seit Monaten geplant. Son selbst sagte, sein Unternehmen wolle in US-amerikanische Start-ups investieren und auf diese Weise Arbeitsplätze schaffen. Der Unternehmer fügte hinzu, dass er nach New York gekommen sei, um Trumps neuen Job zu feiern und lobte, dass Trump viele Regulierungen der Wirtschaft abschaffen wolle. Das sei großartig. "Die USA werden wieder großartig werden", sagte Son.

Softbank hatte im Oktober gemeinsam mit einem Staatsfonds Saudi-Arabiens und anderen Anlegern einen 100 Milliarden Dollar schweren Fonds für weltweite Investitionen in Techunternehmen aufgelegt. Ob es einen Zusammenhang mit der möglichen Großinvestition in den USA gibt, ließ sich zunächst nicht klären. Softbank ist nach eigenen Angaben mit mehr als 66.000 Mitarbeitern eines der größten Technologieunternehmen in Japan und Eigentümer des US-Mobilfunkbetreibers Sprint.

Tatsächlich hat Boeing den Auftrag, zwei neue Air-Force-One-Maschinen zu bauen. Die US-Luftwaffe hatte zuvor auf einen schnelleren Zeitplan gedrängt und angegeben, die derzeitigen Flugzeuge, die unter anderem den Präsidenten transportieren, seien alt und zu teuer in der Reparatur. 

Boeing-Chef äußert sich kritisch über Trump

Die Attacke Trumps hat aber vermutlich noch einen anderen Hintergrund: Die Chicago Tribune veröffentlichte am Mittwoch einen Artikel über Boeing, in dem sich der Vorstandsvorsitzende Dennis Muilenburg leicht kritisch über den designierten Präsidenten und dessen Wirtschaftspolitik äußerte. Keine halbe Stunde später setzte Trump seinen Tweet ab. Die Washington Post schrieb danach, US-Firmenbosse fürchteten bereits, dass sie sich nicht mehr unbeschwert äußern können, ohne den Zorn Donald Trumps fürchten zu müssen.

Boeing sah sich nach der Trump-Attacke genötigt, sich zu verteidigen: Man habe derzeit einen Vertrag von 170 Millionen Dollar. Damit würde erarbeitet, welche Ausrüstung für die komplexe Präsidentenmaschine nötig sei. Zusammen mit der Air Force solle an Flugzeugen im besten Preis-Leistungs-Verhältnis gearbeitet werden, davon profitiere auch der amerikanische Steuerzahler.

Trump hatte jahrelang Aktien von Boeing gehalten, sprach noch im Januar 2013 von einem "großartigen Unternehmen". Im Juni trennte sich Trump laut Washington Post von all seinen Aktien. Zwei Monate später sagte er einen Einbruch der Märkte voraus und brüstete sich damit, dass er eine "sehr gute Zeitplanung" habe, weil er früh investiert und jetzt verkauft habe.

Trump will sich vor seiner Vereidigung am 20. Januar aus seinem Firmenimperium zurückziehen. Seine konkreten Pläne dazu will er am 15. Dezember offenlegen.