Der designierte US-Präsident Donald Trump will den Chef des größten US-amerikanischen Energiekonzerns ExxonMobil zum künftigen Außenminister der USA machen. "Seine Hartnäckigkeit, große Erfahrung und profunde Kenntnis der Geopolitik machen Rex Tillerson zu einer ausgezeichneten Wahl für das Amt des Außenministers", begründete der Republikaner seine Entscheidung. Tillerson werde regionale Sicherheit fördern und die Kerninteressen der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten in den Mittelpunkt stellen.

Der 64-Jährige hat bislang keine politischen, gar außenpolitischen Erfahrungen. Sein gesamtes Berufsleben hat er dem texanischen Ölkonzern gewidmet, dem er seit 2004 vorsteht. ExxonMobil ist in mehr als 50 Staaten tätig und unterhält besonders enge Geschäftsbeziehungen zu Russland. Im Jahr 2012 zeichnete der russische Präsident Wladimir Putin den Konzernchef gar mit dem Freundschaftsorden des Landes aus, nachdem dieser zuvor zusammen mit russischen Firmen ein Erdölgeschäft in der Antarktis vereinbart hatte.

Diese engen Bindungen von Tillerson nach Russland dürften für Trump – neben dessen weltweiten Geschäftskontakten – mitentscheidend für die Nominierung gewesen sein: Der designierte US-Präsident strebt eine Verbesserung der Beziehungen seines Landes zum Kreml an. Zugleich dürften die Beziehungen in den Nominierungsanhörungen vor dem Senat eine Rolle spielen. Einige Senatoren der Republikaner und der Demokraten hatten bereits Vorbehalte gegen Tillerson durchblicken lassen. Und: Ohne Zustimmung des Senats kann der 64-Jährige nicht Außenminister werden.

Kritiker sehen in Tillersons Nominierung zudem einen besonders schweren Fall drohender Interessenkonflikte. Exxon ist auf allen Kontinenten präsent und unterhält Operationen in mehreren Dutzend Ländern. Die New York Times zitiert Energieexperten, wonach Tillerson sich besonders auskenne mit Angola, Argentinien, Kanada, Mexiko, Nigeria und Katar. Tillerson selbst hält an Exxon Anteile von etwa 150 Millionen US-Dollar.

Sachpolitisch lässt sich Tillerson bislang schwer einordnen. Als CEO von Exxon vertritt er einerseits vehement die Interessen der fossilen Energieindustrie, erkennt aber den Klimawandel als echt und ernst an. Angeblich ist Tillerson kein Befürworter eines Rückzugs der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Positionen zu Syrien, zu Nahost, dem internationalen Terrorismus oder dem Verhältnis zu China sind dagegen bislang nicht hinterlegt.

Mit der Nominierung von Tillerson haben die ausdauernden Spekulationen um die Besetzung des diplomatischen Spitzenpostens ein Ende. Im Gespräch dafür waren auch New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani sowie der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, der Trump im Wahlkampf noch vehement kritisiert hatte, nach dessen Wahlsieg aber mehrmals von ihm zum Gespräch gebeten worden war. Trump entschied sich nun aber für den Seiteneinsteiger Tillerson, den er erst kürzlich per Twitter als "Weltklasse-Akteur und Macher" gewürdigt hatte.