Israel hat die Botschafter aller Staaten einbestellt, die im UN-Sicherheitsrat einen vollständigen Siedlungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten einschließlich Ost-Jerusalem gefordert hatten. In der zuvor verabschiedeten UN-Resolution wurden die Siedlungen als Verstoß gegen internationales Recht und als großes Hindernis für einen Frieden in Nahost bezeichnet.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilte die Resolution als "schändlich und anti-israelisch". Er bestellte außerdem persönlich den US-Botschafter Dan Shapiro ein, wie sein Sprecher bestätigte. Netanjahu habe das Außenministerium angewiesen, die ausländischen Repräsentanten zu rügen, berichtete die Nachrichtenseite ynet.

US-Präsident Barack Obama hatte kurz vor Ende seiner Amtszeit und trotz aller Interventionen der israelischen Regierung und des künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf ein Veto verzichtet. Die anderen 14 Mitglieder des höchsten UN-Gremiums nahmen die Resolution an. Es ist die erste verabschiedete UN-Erklärung zur Situation in Israel und Palästina seit etwa acht Jahren.

Aktionsplan gegen die UN

Netanjahu hatte zuvor bereits diplomatische Schritte gegen die Antragsteller der Resolution, Neuseeland und den Senegal, eingeleitet. Außerdem lud er seinen ukrainischen Amtskollegen Wladimir Groisman aus, der am Mittwoch zu einem Besuch in Israel erwartet wurde. Auch die Ukraine stimmte für die Resolution.

Aus Zorn über die Resolution hat die israelische Führung auch andere Gegenmaßnahmen eingeleitet. Das Land will jetzt seine Beziehungen zu den Vereinten Nationen auf den Prüfstand stellen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies sein Außenministerium am Sonntag an, einen Aktionsplan gegen die UN und andere internationale Einrichtungen auszuarbeiten. Dieser solle dem Sicherheitskabinett binnen eines Monats vorgelegt werden.

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman stoppte die Zusammenarbeit mit der Palästinenserbehörde in politischen und zivilen Fragen. Die Sicherheitszusammenarbeit soll allerdings normal weitergehen.

Netanjahu freut sich auf Trump

Der ultrarechte Erziehungsminister Naftali Bennett rief außerdem dazu auf, als Reaktion auf den UN-Beschluss weite Teile des palästinensischen Westjordanlandes zu annektieren. In einem ersten Schritt solle die Siedlerstadt Maale Adumim dem Staat Israel einverleibt werden. "In der nahen Zukunft werden wir Schritte unternehmen, um die israelische Rechtsprechung auf Maale Adumim und den Rest von Judäa und Samaria (das Westjordanland) auszuweiten", sagte der Vorsitzende der Siedlerpartei seinem Sprecher zufolge.

Netanjahu sprach am Sonntag von einer unausgewogenen Resolution, die Israel gegenüber "sehr feindselig" sei. "Wir haben keinen Zweifel daran, dass die Obama-Regierung sie initiiert hat, dahinter stand, die Formulierungen koordiniert und gefordert hat, dass sie verabschiedet wird", sagte der Regierungschef. Sein Verhältnis zu Obama gilt seit Jahren als angespannt – vor allem auch wegen des Siedlungsstreits. Er freue sich auf eine Zusammenarbeit mit der nächsten US-Regierung unter Donald Trump, sagte Netanjahu.

Der ehemalige palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat rief Israel unterdessen zu neuen Friedensverhandlungen auf. Der Weltsicherheitsrat habe Israel mit seiner Resolution gegen Siedlungen signalisiert, dass es wählen müsse zwischen einer Fortsetzung der Siedlungspolitik oder einer Koexistenz mit den Palästinensern, sagte Erekat dem israelischen Armeesender. "Wir müssen den Friedensprozess retten, wir müssen die Zwei-Staaten-Lösung retten", sagte Erekat.