In Italien haben sich viele Menschen an dem Referendum zur Änderung der Verfassung des Landes beteiligt. Etwa 57,22 Prozent der Bürger gaben bis 20 Uhr ihre Stimme ab, teilte das Innenministerium in Rom mit. Das ist für italienische Verhältnisse ein hoher Wert. Die Wahllokale schließen am Sonntag um 23 Uhr. Anschließend soll es erste Prognosen geben, ein Ergebnis aber wird erst in der Nacht zu Montag erwartet.

Das Referendum wird auch über die Zukunft von Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi entscheiden. Renzi hatte seinen Rücktritt in Aussicht gestellt, sollten die Gegner des Referendums gewinnen. Die Regierung und die Finanzmärkte bangen um das Ergebnis, der Ausgang gilt als ungewiss.

Es wären die weitreichendsten Reformen seit dem Zweiten Weltkrieg, sollten die Pläne der sozialdemokratischen Regierung angenommen werden. Unter anderem soll der Senat verkleinert werden, damit Gesetzesvorhaben künftig nicht mehr so leicht blockiert werden können. Damit erhofft sich die Regierung das Ende der permanenten politischen Krise im Land.

Die Gegner der Reform fürchten, dass sie die Demokratie in Italien schwächen könnte. Zu ihnen zählen die euro-kritische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtspopulistische Lega Nord. Weil sie Renzi stürzen sehen wollen, ist das Referendum auch eine Abstimmung über die Regierung geworden. Die Partei Forza Italia von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist ebenfalls gegen die Reform.

Etwa 47 Millionen Wahlberechtigte können ihre Stimme zwischen 7 und 23 Uhr in ganz Italien abgeben. Die Briefwahl von vier Millionen Italienern im Ausland ist bereits seit Donnerstagabend beendet. In den letzten Umfragen, die zwei Wochen vor der Abstimmung veröffentlicht wurden, lagen die Gegner der Reform sieben bis zehn Prozentpunkte vorne. Viele Menschen waren zu diesem Zeitpunkt jedoch noch unentschieden.