Überraschend deutlich hat der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen die Präsidentschaftswahl gewonnen. 53,3 Prozent der Wähler in Österreich stimmten laut Hochrechnung für ihn, 46,7 Prozent stimmten für Norbert Hofer von der rechtspopulistischen FPÖ. Während die beiden Kontrahenten bei der später vom Verfassungsgericht aufgehobenen Stichwahl im Mai nur knapp 30.000 Stimmen auseinanderlagen, kann der neue Amtsinhaber nun auf ein Polster von mehr als 300.000 Stimmen verweisen.

Entscheidend für Van der Bellens Sieg war offenbar, dass er seine Wähler und bisherige Nichtwähler besser mobilisieren konnte. Er konnte 169.000 Nichtwähler vom Mai für sich gewinnen und verlor im Gegenzug nur 25.000 Stimmen an das Lager der Nichtwähler. Hofer verlor hier deutlich: Er verliert 70.000 Stimmen vom Mai an die Nichtwahl und kann nur 33.000 ehemalige Nichtwähler für sich gewinnen. Auf diese Weise konnte Van der Bellen seinen Vorsprung im Vergleich zur Stichwahl im Mai ausbauen, das zeigen die Ergebnisse der Nachwahlbefragung.

Wählerwanderung Bundespräsidentenwahl Österreich

Vergleich der Stichwahl im Mai zur Abstimmung am 4. Dezember 2016

Nahezu alle Befragten gaben an, dass ihre Entscheidung schon seit längerem feststand – und sie ihre Meinung seit dem Mai nicht geändert haben. Doch welche Wählergruppen, Themen und Motivationen waren ausschlaggebend für den Stimmenzuwachs für Van der Bellen?

Die Mehrheit seiner Wähler sahen in der Stichwahl mehr als die Kür eines neuen Amtsinhabers: 54 Prozent sahen in der Abstimmung eine grundsätzliche Entscheidung. Und diese Grundsatzentscheidung war eine Abstimmung über die Haltung zu Europa: Van der Bellen punktete mit seiner pro-europäischen Einstellung (für 65 Prozent seiner Wähler wichtigstes Entscheidungsmotiv). Amtsverständnis (59 Prozent) und Kompetenz (58 Prozent) des Grünenpolitikers waren ebenfalls wichtige Kriterien.

Schmutziger Wahlkampf belastet beide Kandidaten

42 Prozent der Van-der-Bellen-Befürworter sagten, dass es ihnen bei dieser Wahl eher um die Verhinderung des Gegenkandidaten gehe als um die Person des Bundespräsidenten. Zum Vergleich: Die Wähler Hofers machten ihr Kreuz bei der Wahl überwiegend wegen ihres eigenen Kandidaten (51 Prozent) und nicht, um den Gegner zu verhindern (24 Prozent).

Verlust an Glaubwürdigkeit

Herbe Einbußen bei den jeweils eigenen Wählern

Der harten Bandagen im Wahlkampf beschädigten beide Kandidaten. So nannten im Mai noch 67 Prozent Wähler Hofers und 50 Prozent der Wähler Van der Bellens Sympathie als wichtiges Wahlmotiv. Bei der Wiederholungswahl sind diese Werte auf 46 Prozent (Hofer) beziehungsweise 37  (Van der Bellen) gesunken.

Auch bei der Glaubwürdigkeit zeigt sich ein Rückgang in der Zustimmung von 62 auf 51 Prozent (Hofer) beziehungsweise von 61 auf 50 Prozent (Van der Bellen).

Wahlverhalten nach formaler Bildung

Wie schon im ersten Wahlgang und der Stichwahl im Mai zeigt sich auch bei der Wiederholungswahl ein starker Gendergap: Männer stimmten eher für Norbert Hofer, er erreichte in dieser Gruppe 56 Prozent. Frauen wählten hingegen deutlich öfter Alexander Van der Bellen: er erreichte hier 62 Prozent.

Alexander Van der Bellen konnte besonders die Jungen ansprechen und erreichte in der Altersgruppe der Bis-29-Jährigen 58 Prozent, wobei mit 69 Prozent vor allem junge Frauen für ihn stimmten, während bei jungen Männern Norbert Hofer mit 53 Prozent vorn lag. Sein bestes Ergebnis erreichte Norbert Hofer mit 58 Prozent unter Männern im Alter von 30-59 Jahren.

Das Wahlverhalten lässt sich auch nach formaler Bildung unterscheiden: Unter Personen mit maximal einem Pflichtschulabschluss liegt Hofer mit 53 Prozent vorn. Unter Personen mit maximal Lehrabschluss liegt der FPÖ-Kandidat mit 64 Prozent klar vor Van der Bellen. Personen mit Matura (Abitur) oder tertiärem Abschluss hingegen wählten mit 78 Prozent überdurchschnittlich Van der Bellen.