Gegen die Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump am vergangenen Freitag gingen in Washington viele Demonstranten auf die Straße. Bei Festnahmen durch die Polizei wurden auch mehrere Journalisten festgesetzt. Einem Dokumentarfilmer, einem Fotografen sowie zwei weiteren Videoreportern werden einem Bericht des britischen Guardian zufolge Vandalismus und Randale vorgeworfen. Ihnen drohen demnach bis zu zehn Jahren Haft oder eine Geldstrafe von bis zu 25.000 Dollar.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die Journalisten Evan Engel (Vocativ) und Alex Rubinstein (RT America) festgenommen und wegen der gleichen Vergehen angeklagt worden waren. Alle Beschuldigten seien am Sonntag dem Gericht vorgeführt und anschließend wieder entlassen worden. Die Anhörungen werden im Februar und März erwartet.

Keinem der festgenommen Journalisten werden laut Guardian individuelle Vergehen vorgeworfen. Stattdessen sei in den polizeilichen Dokumenten lediglich von einer großen Zahl von Personen die Rede, die an Vandalismus und Randale beteiligt gewesen seien.

"Die Vorwürfe sind unangemessen"

Bei der Vereidigung des 45. US-Präsidenten war es am vergangenen Freitag zu Ausschreitungen von Trump-Gegnern gekommen. Mehr als 200 Demonstranten wurden festgenommen, die Polizei setzte Pfefferspray und Blendgranaten ein. Die nationale Vereinigung der Rechtsanwälte kritisierte das Vorgehen, die Beamten hätten wahllos Menschen nur aufgrund ihres Standorts festgenommen.

"Diese illegalen Maßnahmen zielen eindeutig darauf ab, Demonstranten einzuschüchtern, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen", sagte Maggie Ellinger-Locke von der Vereinigung US-amerikanischer Rechtsanwälte.

"Diese Vorwürfe sind ganz klar unangemessen und wir sind besorgt, dass sie eine einschüchternde Botschaft an Journalisten senden, die in Zukunft über Protestkundgebungen berichten", sagte Carlos Lauría vom Committee to Protect Journalists, einer NGO für Pressefreiheit in den USA. "Wir rufen die Behörden in Washington dazu auf, die Klagen fallen zu lassen."

Die Bürgermeisterin von Washington D.C., Muriel Bowser, verteidigte die Maßnahmen der Polizei: "Eine kleine Gruppe hat sich an Vandalismus und Gewalt gegenüber Sicherheitskräften beteiligt." Zwar respektiere man das Demonstrationsrecht, Gewalttaten jedoch könnten nicht toleriert werden. Sechs Polizeibeamte seien bei den Ausschreitungen leicht verletzt worden, teilte ein Polizeivertreter mit.

US-Präsident Donald Trump führt seinen aggressiven Umgang mit der Presse auch nach dem Wahlkampf fort. So bezichtigte er die Medien der Falschberichterstattung über die Zuschauerzahl bei der Amtseinführung. Sein Sprecher Sean Spicer wiederholte den Vorwurf und kündigte auf der ersten offiziellen Pressekonferenz an, man werde die "Medien zur Rechenschaft ziehen".