US-Präsident Barack Obama hat sich nach den neuen Hackervorwürfen gegen Russland beunruhigt geäußert und seinen Nachfolger Donald Trump vor dem russischen Staatsoberhaupt Wladimir Putin gewarnt. Die Russen hätten vorgehabt, sich in den politischen Prozess in den USA einzumischen und dies auch getan, erklärte Obama in einem Interview des Senders ABC, das am Sonntag ausgestrahlt werden soll. 

Obama übte aber auch an Landsleuten Kritik, indirekt auch an dem künftigen Präsidenten Trump. Er sei sehr besorgt über republikanische Fachleute und TV-Kommentatoren, die mehr Vertrauen in den russischen Präsidenten hätten als in amerikanische Mitbürger. "Das kann nicht sein", sagte Obama. Auf die Frage, ob seine Bemerkung auf Trump abziele, entgegnete er, Amerikaner seien in einem Team. Und "Putin ist nicht in unserem Team".

Am Freitag gaben US-Geheimdienste einen Report frei, laut dem der russische Präsident persönlich eine geheime Kampagne zur Einflussnahme auf die US-Wahl zugunsten Trumps befohlen habe. Es könne "mit großer Sicherheit" davon ausgegangen werden, dass Putin selbst dahinter stehe, hieß es in dem Dokument von CIA, FBI und NSA. Sein Ziel sei es gewesen, Trumps Rivalin Hillary Clinton zu verunglimpfen.

Dem Bericht zufolge ist Putin davon ausgegangen, mit Trump leichter eine Antiterror-Allianz gegen den IS schmieden zu können. Außerdem habe er gute Erfahrungen mit westlichen Staatsmännern gemacht, die seine Geschäftsinteressen teilten. Die Geheimdienste nannten an dieser Stelle den deutschen Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) und den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als Beispiele. Schröder hat Putin mehrmals öffentlich als seinen Freund bezeichnet. Nach seiner Zeit als deutscher Regierungschef hat er mehrere Posten beim russischen Staatskonzern Gazprom angenommen.

In dem Bericht wird abermals der Vorwurf erhoben, Russland habe E-Mails des Parteiverbands sowie jene von Mitgliedern wie Clintons Wahlkampfmanager John Podesta gehackt. Die E-Mails habe der Kreml dann an WikiLeaks durchgestochen.

Trump hatte zuvor wiederholt Erkenntnisse der Geheimdienste zu den Hackerangriffen auf die US-Demokraten im Wahlkampf in Zweifel gezogen. Nach einem Treffen mit den Geheimdienstchefs, bei dem ihm der Bericht vorgelegt wurde, sagte Trump nun, er glaube nicht, dass die Angriffe Auswirkungen auf das Ergebnis der Abstimmung hatten. Später gab er den Demokraten eine Mitschuld an den von Geheimdiensten enthüllten russischen Cyberangriffen. "Krasse Fahrlässigkeit beim Demokratischen Nationalkomitee ließ Hacking zu. Das republikanische Nationalkomitee hatte eine starke Abwehr!", twitterte Trump am späten Freitagabend (Ortszeit).

Trump kündigte auch an, er werden nun ein Team beauftragen, das ihm 90 Tage nach Amtsantritt einen Plan zur Abwehr von Hackerattacken vorlegen soll, erklärte er. "Egal ob es gegen unsere Regierung, Organisationen, Verbände oder Unternehmen geht, wir müssen Cyberangriffe aggressiv bekämpfen."