Die designierte US-Bildungsministerin Betsy DeVos hat bei ihrer Anhörung im Senat angedeutet, dass Waffen in Schulen erlaubt sein könnten, um sich vor Grizzlybären zu verteidigen. Auf die Frage, ob sie für ein Waffenverbot in Schulen sei, antwortete die konservative Milliardärin, dass das die Kommunen und Bundesstaaten selbst entscheiden müssten. Allerdings wies sie danach auf eine ländliche Schule in Wyoming hin, um die ein Zaun zum Schutz vor wilden Bären gebaut ist, und sagte: "Ich denke, dass es dort wahrscheinlich eine Waffe in den Schulen gibt, mit der man sich vor potenziellen Grizzlybären schützt."

Immer wieder kommt es an amerikanischen Schulen zu Schießereien und dadurch zu Diskussionen um strengere Waffengesetze. US-Staaten regeln unterschiedlich, in welchen Bereichen der Öffentlichkeit das Tragen von Waffen verboten ist. An vielen Schulen ist das der Fall. Der scheidende Präsident Barack Obama hatte während seiner Amtszeit mehrmals versucht, die Gesetze zu verschärfen, war aber meist am Widerstand der Republikaner im Kongress gescheitert. Der neu gewählte Präsident Donald Trump lehnt Verschärfungen des Waffenrechts ab und sagte, er wolle waffenfreie Zonen an Schulen abschaffen.

Trump hatte DeVos im November als seine Bildungsministerin nominiert. Sie löst den Demokraten John King ab. Sie ist auf der nationalen Ebene bislang kaum in Erscheinung getreten. Wie jeder andere Kabinettsposten muss auch DeVos vom Senat bestätigt werden.

Besonders Senatoren der demokratischen Partei attackierten die designierte Ministerin während ihrer Anhörung und kritisierten, sie sei nicht geeignet für ihr Amt. Senator Al Franken aus Minnesota schrieb auf Twitter, dass er tief beunruhigt sei, dass Betsy DeVos sich mit grundlegenden Fragen im Bildungsbereich nicht auszukennen scheine.

Zudem fragte Senator Tim Kaine, der im Falle von Hillary Clintons Wahlsieg Vizepräsident geworden wäre, in der Anhörung nach einem wichtigen Gesetz, das US-Bundesstaaten zu bestimmten Leistungen für Schüler mit Behinderungen verpflichtet. DeVos antwortete, dass die Bundesstaaten sich selbst entscheiden sollten, ob sie diese Verpflichtungen eingingen. Als die Demokratin Maggie Hassan nachfragte, ob die Republikanerin verstanden habe, dass es sich bei dem Gesetz um ein nationales Bürgerrechtsgesetz handele, sagte DeVos, dass sie es "vielleicht verwechselt" habe.

Republikaner verteidigen die umstrittene Milliardärin

Der ehemalige Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders fragte DeVos, ob sie glaube, von Trump als Ministerin ausgewählt worden zu sein, wenn sie nicht vorher Tausende Dollar an die republikanische Partei gezahlt hätte. Kritiker glauben, dass DeVos, die selbst nie in einer Schule gelehrt hat, keine öffentliche Schule besuchte und ihre Kinder nicht auf eine schickte, ihr Amt vor allem wegen ihrer Parteispenden erhalten hat. Der Non-Profit-Organisation Center for Responsive Politics zufolge hat DeVos' Familie allein im Jahr 2016 etwa 2,7 Millionen Dollar an republikanische Kandidaten gespendet. DeVos entgegnete Sanders, dass sie glaube, dass sie auch ohne diese Zahlungen als Bildungsministerin ausgewählt worden sein könnte.

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Republikanische Senatoren hingegen lobten DeVos während ihrer Anhörung. Lamar Alexander, Vorsitzender eines Senatsausschusses für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten, sagte: "Betsy DeVos steht auf der Seite unserer Kinder." Sie habe ihr Leben Kindern aus Familien mit niedrigen Einkommen gewidmet, damit sie Zugang zu besseren Schulen erhielten.

Die 58-Jährige war zuvor mehrere Jahre Vorsitzende der Republikaner im Bundesstaat Michigan. Die konservative Bildungsreformerin will die Privatschulen stärken und Eltern mehr Spielräume zugestehen, ihre Kinder auf eine Schule ihrer Wahl zu schicken. Zum Beispiel hat sie sich für Programme ausgesprochen, bei denen Eltern von Steuererleichterungen profitieren, wenn sie ihre Kinder von staatlichen auf privat geleitete Einrichtungen ummelden. Den gegenwärtigen Stand des US-Bildungssystems hält DeVos für inakzeptabel und fordert eine Transformation, sodass jedes Kind sein Potenzial ausschöpfen könne. Lehrergewerkschaften und viele Demokraten befürchten eine Attacke auf das staatliche Schulsystem, das sie als wichtige Säule der bürgerlichen Organisationen im Staat ansehen.