Nicht nur hat Trump unzählige Male bewiesen, dass er ein pathologischer Lügner ersten Ranges ist. Auch zeigen sein ideologischer Opportunismus (wenn man das so bezeichnen kann) und seine an den Haaren herbeigezogene Behauptung, ein strenggläubiger Christ zu sein ("Niemand liest die Bibel mehr als ich"), wie sehr er sich von einer populistischen Position zur nächsten hangelt.

Werte haben aber ein enormes Gewicht. Dass Obama daran gescheitert ist, seinen groß verkündeten liberalen und fortschrittlichen Werten in der Praxis gerecht zu werden, ist eine Sache. Ein Präsident, der sich damit rühmt, das zu zerreißen, was er abfällig das "politisch korrekte" Handbuch nennt, um es mit einem Lexikon der faschistischen Moral zu ersetzen, ist eine ganz andere. Obama konnte man an den eigenen Worten und Ideen messen; Trumps Worte und Ideen ermöglichen es ihm, jegliche ethische Orientierung aufzugeben.

Jenseits von Werten gibt es diejenigen, die davon überzeugt sind, dass Trump verglichen mit seinen Vorgängern ein Präsident der Nicht-Interventionen wird. "Die Wahl Trumps ist eine gute Nachricht für Millionen von Menschen im Mittleren Osten und in Afrika, die fast ein Jahrzehnt lang die schlimmsten Auswüchse von Clintons und Obamas Anstand ertragen mussten", ist ein indischer Freund von mir überzeugt, mit dem ich über diesen Punkt endlos diskutiert habe.

Doch diese Argumentation verwechselt Isolationspolitik mit militärischer Nicht-Intervention. Mit seinen Äußerungen zum Freihandelsabkommen Nafta, zu China und zu seinem Ziel, den Amerikanern die Jobs nach Hause zu bringen, verfolgt Trump klar eine Politik des wirtschaftlichen Isolationismus – auch wenn selbst hier nicht klar ist, ob er diesen Weg tatsächlich so gehen wird.

Trump kritisiert einerseits Clintons und Obamas "Kriegstreiberei" scharf, andererseits äußert er sich nicht zu den wahren Architekten dieses aggressiven amerikanischen Militarismus (George W. Bush und seine Regierung). Zudem hat er schon ordentlich mit dem Säbel gerasselt – gegenüber dem IS, dem Iran und auch China.

Es braucht nicht viel, dass Trump zum Kriegsherrn mutiert

In seiner außenpolitischen "Vision" gibt Trump vor, er wolle die Politik des Nationalismus und Regimewandels aufgeben. Doch wenn man sich die Details seiner Äußerungen genau anschaut, erscheint dies unaufrichtig, um es freundlich auszudrücken.

Trump kündigt an, mit den arabischen Verbündeten zusammenzuarbeiten (Sie wissen schon, diese Tyrannen die ihre Bevölkerung unterdrücken), um den "Islamischen Staat" (IS) durch ein "aggressives Bündnis und gemeinsame Militäroperationen" auszulöschen. Unerwähnt lässt er das brutale Vorgehen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad, der als Hauptakteur für die Zerstörung Syriens verantwortlich ist. Im Gegenteil: Wiederholt hat Trump darauf verwiesen, dass seine Regierung mit Assad zusammenarbeiten könnte, weil dieser "so viel härter und klüger" sei als amerikanische Führer.

Dafür, dass der Mann angeblich ein Nicht-Interventionist ist, mag Trump sein Kriegsmaterial zu gerne. Er kündigt an, die "heruntergewirtschaftete Armee wiederaufzubauen" und "den Geheimdienst auszubauen und zu verbessern". In einem Land, das bereits mehr als 1,6 Billionen Dollar für seine Armee ausgibt, möchte Trump die Ausgaben für das Militär nochmals hochfahren.

Mit seinem Kriegsarsenal, seiner launisch-unberechenbaren Haltung, der harten Schale und dem fragilen Ego braucht es lediglich eine innerstaatliche Krise, eine ausländische Regierung oder eine radikale Gruppe, die ihn herausfordert, damit Trump zu den Waffen greift und zum Kriegsherrn mutiert. Und selbst wenn Trump keinen neuen Krieg im Mittleren Osten beginnen sollte, wird er sehr wahrscheinlich die bestehenden fortführen oder gar eskalieren. So hat er bereits einen aggressiven Ton gegenüber Teheran anschlagen und damit eine Feindschaft heraufbeschwören, die leicht außer Kontrolle geraten kann.

Trump fühlt sich instinktiv zu Diktatoren hingezogen

Trump sieht sich selbst als "starken Mann" und autoritären Führer und gleichzeitig fühlt er sich instinktiv zu den Diktatoren der Region hingezogen. Trumps Präsidentschaft wird sehr wahrscheinlich darauf beruhen, die Despoten des Mittleren Ostens zu unterstützen. Deshalb feiern sie sie alle den neuen Mann im Weißen Haus – mit Ausnahme der Mullahs in Teheran.

Ägyptens Präsident Abdel Fatah al-Sissi huldigte schon dem Kandidaten Trump, und als Trump zum Präsidenten gekürt wurde, war Sissi der erste ausländische Staatschef, der ihn anrief und zur Wahl gratulierte. Es ist besorgniserregend, wie einig sich die beiden in vielen Dingen sind. Und Baschar al-Assad sagte feierlich, Trumps Fokus auf den IS würde ihn zu einem "natürlichen Verbündeten" für Damaskus machen.