Dass der neugewählte US-Präsident die Politik seines Vorgängers in ihr Gegenteil verkehren will, wurde im Moment des Amtsantritts von Donald Trump auch auf der Website des Weißen Hauses deutlich: Die Seite der Obama-Regierung liegt nun im Archiv – nach der Wahl eines neuen Präsidenten sind Änderungen üblich. Dafür sind nun Trumps Themen gebündelt online.*

Eine Folge: Die bisherigen Themenseiten zu Klimawandel, Gesundheitsvorsorge, Bürger- und Schwulenrechten sind nicht mehr direkt sichtbar. Wer die alten Links anwählte, sah zwischenzeitlich den Hinweis "Entschuldigung, die gesuchte Seite kann nicht gefunden werden".

Klimawandel "kann nicht gefunden werden"

In Donald Trumps Themenkatalog ist stattdessen ein "America-First-Energieplan" zu finden, in dem der Klimawandel ignoriert wird; dort heißt es über zwei von Obamas Gesetzen: "Präsident Trump wird schädliche und unnötige Politiken wie den Climate Action Plan und die US-Wasserregel (zum Schutz von Trinkwasser) abschaffen." Die Suche nach dem Begriff Klimawandel liefert auf der gesamten Seite des Weißen Hauses keine Ergebnisse mehr.

Damit scheint eine Befürchtung von Klimaforschern wahr geworden zu sein: Trump wird versuchen, Ergebnisse aus der Klimaforschung zu verstecken. Um bisher gesammelte Daten zu retten, hatten sich Wissenschaftler in den USA zum großen Speichern verbündet. Schon vor Wochen haben sie begonnen, wertvolle Informationen außer Reichweite der Trump-Regierung zu schaffen und auf unabhängige Server auszulagern. Es geht beispielsweise um Auswertungen von Gesteinsschichten, biologischen Klimaarchiven wie Korallenriffen und Analysen zu Mooren sowie Satellitenaufnahmen – grundsätzlich alle Informationen, die notwendig sind, um verlässliche Klimavorhersagen zu erstellen. 

Auch der Begriff LGBTQ ist seit einigen Stunden unauffindbar. Und auf der neuen Seite "America-First-Außenpolitik" werden Beziehungen zu China und Russland nicht erwähnt; stattdessen kündigt Trump den Kampf gegen den IS und eine Neuverhandlung von Handelsabkommen wie Nafta an. Dort steht unter anderem: "Falls unsere Partner sich weigern, den Deal neu zu verhandeln, so dass US-Arbeiter fairer behandelt werden, wird der Präsident der Vereinigten Staaten einen Austritt aus dem Handelsabkommen anordnen."

Polizeigewalt kein Thema mehr

Die ehemalige Bürgerrechtsseite ersetzte das Trump-Team umgehend durch eine Seite, die eine Solidarisierung mit den Gesetzeshütern der USA fordert. Damit wird die Diskussion über Polizeigewalt durch eine Forderung nach mehr Polizisten abgelöst. Viertel mit überwiegend afroamerikanischer Bevölkerung stellt der Agendatext als Schießbuden da – nicht überraschend angesichts von Trumps Kommentaren im Wahlkampf, Schwarze hätten ohnehin "nichts zu verlieren". Unter anderem wird dort behauptet, es gäbe 50 Prozent mehr Mord- und Totschlagsfälle in Washington D.C.; tatsächlich ist deren Zahl im vergangenen Jahr gesunken.

Während Trump sich auf seiner Kampagnenseite noch explizit an Afroamerikaner richtete – etwa mit einer Seite namens "Donald Trumps neuer Pakt für das schwarze Amerika" – kommen die Worte "schwarz" oder "Afroamerikaner" nur noch im Archiv ehemaliger Präsidenten vor. Auch Trumps wichtigstes Kampagnenthema Einwanderung wird auf der Seite des Weißen Hauses inzwischen ignoriert.

*Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Artikels unter dem Titel "Mal eben Klimawandel und Bürgerrechte gelöscht" hieß es, die Seite der Obama-Regierung sowie Themenseiten zu Klimawandel und Bürgerrechten wären "gelöscht" worden. Sie wurden jedoch archiviert und sind nun hier auffindbar. Auf der neuen Website des Weißen Hauses sind diese Themen jedoch nicht zu finden. Wir haben diese Punkte in der Überschrift und der Meldung angepasst und bitten, den Fehler zu entschuldigen.