Der Präsident des Europäischen Rates hat sich ungewöhnlich scharf von Europas traditionell engstem Verbündeten USA distanziert. Donald Tusk nannte in einem Brief an die EU-Staats- und Regierungschefs "beunruhigenden Erklärungen" der neuen US-Regierung in einer Reihe mit China, Russland und dem Terror im Nahen Osten als Faktor, der die Zukunft unberechenbar mache. Die Herausforderungen, vor denen die Europäische Union derzeit stehe, seien gefährlicher als je zuvor.

"Vor allem der Wechsel in Washington bringt die Europäische Union in eine schwierige Lage", schrieb Tusk in dem am Dienstag veröffentlichten Schreiben. Grund dafür sei, dass die neue US-Regierung die amerikanische Außenpolitik der vergangenen 70 Jahre infrage zu stellen scheine. Tusk mahnte die Europäer zu einem Signal der Einigkeit. "Zeigen wir unseren europäischen Stolz", schrieb Tusk. Europa müsse klar für seine Würde einstehen – "die Würde eines vereinten Europas – unabhängig davon, ob wir mit Russland, China, den USA oder der Türkei sprechen". Tusk schließt seinen Brief mit den Worten: "Wir sollten heute unsere amerikanischen Freunde an ihr eigenes Motto erinnern: United we stand, divided we fall – sinngemäß: Einigkeit macht stark." 

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union kommen am Freitag in Malta zu ihrem ersten Gipfel im neuen Jahr zusammen. Hauptthema des informellen Treffens soll die noch immer ungelöste Migrationsfrage sein. Vor allem die Route über das zentrale Mittelmeer nach Italien sowie Libyen als Haupttransitland sollen dabei im Fokus der Gespräche stehen. Am Nachmittag folgen außerdem Beratungen unter Ausschluss Großbritanniens über die künftige Ausrichtung der EU.

Die deutsche Delegation unter der Führung von Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnet 1957 die Römischen Verträge. © Keystone/Getty Images

Anlässlich des 60. Jahrestags der Römischen Verträge wird es im März einen Jubiläumsgipfel geben. Die Verträge waren 1957 von Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden in Rom unterzeichnet worden und errichteten unter anderem den Vorläufer der EU, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom).