"Emirates Flug 225 aus Dubai ist soeben gelandet." Die Lautsprecherstimme in der Empfangshalle G des Flughafens San Francisco geht in lautem Jubel unter. Aisha Saeidi trommelt im Rhythmus gegen die Gitterstäbe zum Transitbereich. Sie ist 12 Jahre alt, trägt Kopftuch und ist in ihrem Element. "No hate, no fear, refugees are welcome here!"Kein Hass, keine Angst, Flüchtlinge sind hier willkommen. So sieht Aisha das. Anders als Donald Trump. Für den US-Präsidenten sind Flüchtlinge nicht länger willkommen.

Die ersten Reisenden, die dann aus dem Transitbereich kommen, sind Geschäftsleute, Rollkoffer hinter sich herziehend, verwirrte Blicke. Auf der anderen Seite der Absperrung warten ein paar Tausend Menschen mit Snacks, Postern, Flaggen und einer Blaskapelle als würden sie Charles Lindbergh nach seinem ersten Atlantikflug begrüßen. Eine Frau sieht Aisha, die die Faust reckt wie eine Revolutionskämpferin, und erwidert die Geste – offenbar berührt von der Komik der Situation: Ein muslimisches Mädchen begrüßt "Flüchtlinge", die sich als weiße Anzugträger herausstellen.

Aisha Saeidi, Tochter eines Einwanderers aus dem Jemen, will Flüchtlinge begrüßen – doch dann kommen nur Anzugträger aus Kalifornien. © Christina Felschen/Zeit Online

Die Geschäftsleute steigen in Taxis, die Tür zum Transitbereich fällt zu. Die Menschen, auf die Aisha wirklich wartet, bleiben dahinter zurück: Flüchtlinge sowie Einwanderer aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern, die durch Trumps Erlass vom vergangenen Freitag temporär an der Einreise gehindert werden. Für Syrer gilt die Verordnung auf unbestimmte Zeit.

Nur Stunden nach dem Erlass sammelten sich die ersten Demonstranten an den Flughäfen von New York, Washington D.C., Los Angeles, Chicago, Dallas – und eben San Francisco; seither fordern Tag und Nacht Tausende die Freilassung von Reisenden, die nach ihrer Ankunft im Transitbereich festgehalten werden.

"Was kommt als Nächstes?"

Am Samstagabend ein Teilerfolg: Bundesrichterin Ann Donnelly entschied, dass keine Reisenden abgeschoben werden dürfen, die sich zum Zeitpunkt des Erlasses bereits an US-Flughäfen aufhielten oder einen genehmigten Flüchtlingsantrag oder ein Visum hatten.

Daraufhin wurden an Flughäfen landesweit etwa 200 Menschen freigelassen, fünf davon in San Francisco – darunter ein 69-jähriger Iraker, der zu seinem in Kalifornien lebenden Sohn durchgelassen wurde. "Was kommt als Nächstes?", fragte sein Sohn Mohammed al-Rawi vor Journalisten. "Werden sie Lager für Muslime errichten und uns hineinstecken?"

USA - Einreise in die USA nicht gestattet Fatima Abu al-Kassem al-Kasch und Amir Hamed al-Manufi aus dem Sudan sind vom Einreisedekret von US-Präsident Donald Trump betroffen. Sie verstehen nicht, warum sie nicht in die USA reisen dürfen. © Foto: AFP-TV