Sam Schwarzkopf beschloss im vergangenen Jahr, die britische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Vor 18 Jahren kam der deutsche Neurowissenschaftler zum Studium nach Cardiff; heute forscht er am University College London. Schwarzkopf ist mit einer Britin verheiratet. In Großbritannien fühlte er sich zu Hause. Er habe lange genug hier gelebt, sagt er. Die Staatsbürgerschaft zu beantragen war für ihn auch eine Frage der Identität.

Der Antrag, mit dem er seinen "Daueraufenthalt" bescheinigen lassen wollte – ein bürokratischer Schritt auf dem Weg zur Staatsbürgerschaft – war mehr als 80 Seiten lang. Als Schwarzkopf ihn abgab, war die Debatte über das Brexit-Referendum gerade im vollen Gange. Kurz vor dem Referendum lehnte das Innenministerium den Antrag ab – und forderte Schwarzkopf sogar dazu auf, das Land zu verlassen. "Da Sie keine alternative Grundlage für einen Aufenthalt im Vereinigten Königreich zu haben scheinen, sollten Sie jetzt Vorbereitungen für Ihre Ausreise treffen", stand in dem Brief, den er erhielt.

Ein Abgeordneter half

Ursache war offenbar ein Formfehler. Schwarzkopf hatte dem Antragsformular nur eine beglaubigte Kopie seines Passes beigelegt, nicht den Pass selbst, weil er ihn für Reisen brauchte. Sein Anwalt hatte ihm gesagt, das sei in Ordnung. "Als ich die Ablehnung erhalten habe, war ich in erster Linie amüsiert", sagt Schwarzkopf. "Aber ich war auch überrascht." Er hatte nicht erwartet, dass es Schwierigkeiten geben würde.

Die Aufforderung, das Land zu verlassen, war unbegründet. Als EU-Bürger hatte Schwarzkopf jedes Recht, in Großbritannien zu leben und zu arbeiten. Doch viele weitere EU-Ausländer, die in Großbritannien leben, haben ähnliche Briefe erhalten wie er. 

Für großen Wirbel sorgte der Fall der Niederländerin Monique Hawkins. Nach dem Leave-Votum im vergangenen Juni entschied auch sie, die britische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Hawkins lebt seit 24 Jahren in Großbritannien und ist mit einem Briten verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hat. Wie Schwarzkopf reichte sie eine beglaubigte Kopie ihres Passes ein, dazu eine Begründung dafür, warum sie das Originaldokument brauchte: Ihr Vater war kurz zuvor verstorben, und Hawkins musste regelmäßig in die Niederlande reisen, um ihre Mutter zu besuchen.

Auch Hawkins' Antrag wurde abgelehnt, und sie wurde in einem Schreiben aufgefordert, das Land zu verlassen.

Telefonisch habe ihr das Innenministerium keine Auskunft geben wollen, erzählte Hawkins später dem Guardian, der über ihren Fall groß berichtete. Erst, als sie einen Abgeordneten einschaltete, kam Bewegung in die Sache. Wenige Wochen später erhielt sie ihre Daueraufenthaltskarte, und ein Mitarbeiter des Innenministeriums rief sogar persönlich bei Hawkins an, um sicherzugehen, dass sie das Papier bekommen habe.