Zehntausende Menschen haben am Montag in London, Edinburgh und anderen Städten in Großbritannien gegen das umstrittene US-Einreiseverbot demonstriert. Sie forderten Premierministerin Theresa May dazu auf, sich deutlicher von der Einreisepolitik des US-Präsidenten Donald Trump zu distanzieren.

Vor dem britischen Regierungssitz in der Londoner Downing Street versammelten sich Tausende mit Schildern und Bannern. Sowohl die Organisatoren der Demonstration als auch die Polizei schienen von dem enormen Zulauf überrascht zu sein, die Menge erstreckte sich durch das ganze Regierungsviertel. In etwa 30 weiteren Städten waren Proteste angekündigt, in Manchester kamen ungefähr 3.000 Protestierenden zusammen. Im schottischen Edinburgh demonstrierten ebenfalls mehrere Tausend Menschen.

Clare Solomon, die zu den Organisatoren des Protests in Manchester gehörte, sagte der BBC, die Leute wollen ihre Abneigung gegenüber einem "rassistischen und sexistischen Präsidenten" zeigen. Sie sagte, es sei eine Schande, dass Theresa May ihn zu einem Staatsbesuch eingeladen hätte. Viele der Demonstranten sprachen sich mit Schildern und Sprüchen gegen die pauschale Verurteilung von Religionsgruppen aus und zeigten sich solidarisch mit den Betroffenen.

Auch im britischen Parlament ist das umstrittene Dekret des neuen US-Präsidenten Thema. Die Abgeordneten kamen am Abend spontan zu einer außerordentlichen Debatte zusammen. Zuvor hatte der britische Außenminister Boris Johnson das Einreiseverbot für Flüchtlinge und Bürger mehrerer mehrheitlich muslimischer Länder als "spaltend und falsch" bezeichnet. Er versicherte im Parlament, britische Staatsbürger seien nicht betroffen.

1,5 Millionen Unterschriften gegen Trumps Staatsbesuch

Premierministerin Theresa May wurde kritisiert, weil sie den Erlass von Trump nicht öffentlich verurteilen wollte. In einem Statement hieß es lediglich, dass die Regierungschefin mit dem Einreiseverbot nicht einverstanden sei, aber die US-Einwanderung eine "Sache der Regierung der Vereinigten Staaten" sei.

Viele Abgeordnete wollten sich damit jedoch nicht zufrieden geben. Sie forderten, die Einladung an Trump zu überdenken oder ihm zumindest eine Rede vor dem Parlament zu versagen. Der Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, sagte, Trump solle nicht in Großbritannien empfangen werden, solange er die Werte des Landes mit seinem "beschämenden Muslim-Ban" (Muslim-Verbot) missbrauche und die Rechte von Frauen und Geflüchteten angreife.

Eine Petition, die geplante Staatsvisite des US-Präsidenten abzusagen, erhielt bis zum Abend rund 1,5 Millionen Unterschriften. Das britische Parlament ist verpflichtet, eine Debatte über Eingaben anzusetzen, wenn diese mehr als 100.000 Unterzeichner finden. Die Regierung hält jedoch an ihrer Einladung für Trump fest. Premierministerin Theresa May ließ wissen, sie sei "sehr glücklich gewesen", den US-Präsidenten nach Großbritannien einzuladen.

Am Freitag vergangener Woche hatte Präsident Trump per Dekret angeordnet, dass Bürger der sieben mehrheitlich muslimischen Länder Irak, Iran, Libyen, Somalia, Syrien, Sudan und Jemen für 90 Tage keine Visa erhalten dürfen. Damit war er sowohl in den USA als auch international auf heftigen Widerstand gestoßen.