Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Einschätzung der US-Geheimdienste eine Kampagne angeordnet, um den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. Russland habe das Ziel verfolgt, die demokratische Kandidatin Hillary Clinton zu verunglimpfen und ihre Chancen auf einen Wahlsieg zu schmälern, heißt es in einem Bericht von NSA, FBI und CIA, der am Freitag veröffentlicht wurde. Der Kreml habe zudem eine "deutliche Präferenz" für den Republikaner Donald Trump entwickelt. 

Die Bemühungen um eine Beeinflussung der Präsidentschaftswahl hätten das Ziel, die von den USA angeführte liberale und demokratische Grundordnung zu untergraben, hieß es in der Einschätzung der Geheimdienste. Das Ausmaß der russischen Aktivitäten sei deutlich größer gewesen als bei vorherigen Operationen. Die Autoren des Berichts erklärten jedoch, es sei nicht untersucht worden, inwieweit die russischen Aktivitäten Einfluss auf den Wahlausgang gehabt hätten.

Die Agenten gehen davon aus, dass die russischen Cyberangriffe auf die Vereinigten Staaten anhalten. Gleich nach der US-Wahl habe Russland eine Spear-Phishing-Kampagne gegen US-Regierungsbeamte gestartet. Auch Einzelpersonen aus dem Umfeld amerikanischer Denkfabriken oder Nichtregierungsorganisationen seien betroffen gewesen. Bei Spear-Phishing handelt es sich um Versuche, über gefälschte Webseiten, E-Mails und Kurznachrichten vertrauliche Daten abzugreifen. Diese Attacken könnten Informationen über Ziele und Pläne der künftigen Regierung von Donald Trump liefern.

Trump hatte zuvor eingeräumt, dass es während des Präsidentschaftswahlkampfes Cyberangriffe auf US-Institutionen gegeben hat. Er hatte sich von den Geheimdiensten bei einem Treffen über die mutmaßlichen russischen Hackerangriffe informieren lassen. Auf das Ergebnis der Wahl vom 8. November hätten die Versuche jedoch "absolut keinen Einfluss" gehabt, sagte Trump.

Die US-Geheimdienste hatten Russland offen beschuldigt, sich durch Cyberangriffe in den US-Wahlkampf eingemischt zu haben, um Trumps Siegchancen zu erhöhen. Auch nach dem Treffen mit den Geheimdienstchefs vermied Trump es, Russland für Hackerattacken im Wahlkampf verantwortlich zu machen. Der neue Geheimbericht nennt nun Putin als Verantwortlichen.

Trump sagte lediglich, dass Russland, China und andere Länder "unablässig" versuchten, in die Datensysteme von US-Regierungsstellen, Unternehmen und Organisationen wie etwa der Demokratischen Partei einzudringen. 

Der designierte US-Präsident hatte mehrfach Zweifel daran geäußert, dass Russland wirklich für die Angriffe verantwortlich war, durch die vor der Wahl Interna aus dem Team seiner demokratischen Gegnerin Hillary Clinton und deren Partei nach außen gedrungen waren. Zudem hatte Trump die Arbeit der US-Geheimdienste vorher generell infrage gestellt.

Bei dem Treffen in New York wollten die Geheimdienstchefs des FBI, der CIA und der Nachrichtendienstgemeinschaft IC darauf eingehen, warum sich Russland ihrer Ansicht nach in das Präsidentschaftsrennen eingemischt hat. Die Informationen, die Trump erhalten sollte, sind geheim. Hochrangige Abgeordnete waren am Freitagmorgen über einen entsprechenden Geheimdienstbericht in Kenntnis gesetzt worden, der scheidende US-Präsident Barack Obama bereits am Donnerstag.

Mit Spannung war vor dem Treffen erwartet worden, wie Trump die Informationen der Geheimdienste aufnimmt. Noch kurz vor dem Briefing hatte er in einem am Freitag veröffentlichten Telefoninterview der New York Times mit Blick auf die Demokraten gesagt: "Sie haben diese Wahl sehr deutlich verloren. Das ist ihnen sehr peinlich." Dass sie nun das Hacking-Thema nicht fallen ließen, zeuge davon, sagte er weiter. "Zu einem gewissen Grad ist es eine Hexenjagd. Sie konzentrieren sich nur darauf."

Nach dem Regierungswechsel will Trump ein Sofortprogramm zur Abwehr von Cyberangriffen umsetzen. "Egal ob es gegen unsere Regierung, Organisationen, Verbände oder Unternehmen geht, wir müssen Cyberangriffe aggressiv bekämpfen", sagte er. Das Programm solle in den ersten 90 Tagen seiner Amtszeit geschehen, sagte er nach dem Treffen mit den Geheimdienstchefs.