Populistische Anführer tragen nach Einschätzung von Transparency International (TI) in vielen Ländern zur Verbreitung von Korruption bei. Zwar versprächen diese Politiker oft, den Status quo ändern zu wollen, installierten in der Regel aber zusätzliche korrupte Systeme, heißt es in dem Jahresbericht der Antikorruptionsorganisation. Im Länderranking belegt Deutschland Platz zehn, am wenigsten korrupt ist es laut TI in Dänemark und Neuseeland.

Eine ausufernde Korruption begünstige wiederum den Aufstieg vieler Populisten. Die Menschen seien die Versprechen der Politiker leid, etwas gegen die Misswirtschaft zu tun. Sattdessen wendeten sie sich populistischen Politikern zu, die einen Systemwandel versprechen, heißt es in dem Bericht. Damit verschlechtere sich die Lage jedoch meistens nur.

Der Vorsitzende von Transparency International, José Ugaz, verwies dabei vor allem auf Ungarn und die Türkei. Die Werte beider Länder im Korruptionswahrnehmungsindex hätten sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. In Argentinien sei nach der Abwahl der populistischen Regierung hingegen eine Verbesserung eingetreten, sagte Ugaz.  

Insgesamt hat die Korruption nach Einschätzung von TI im vergangenen Jahr weltweit zugenommen. Es gebe mehr Länder, in denen sich die Lage verschlechtert habe als solche, die besser als 2015 dastünden. In 69 Prozent der insgesamt 176 untersuchten Länder sei die Korruption sehr hoch.

Deutschland auf Platz zehn

In dem TI-Index werden die Länder nach einer Reihe von Faktoren bewertet. Unter anderem wird berücksichtigt, ob Regierungsvertreter nach Korruptionsfällen vor Gericht gestellt werden oder ungestraft bleiben. Eine Rolle spielt außerdem die wahrgenommene Verbreitung von Bestechung und ob öffentliche Institutionen auf die Bedürfnisse der Bürger reagieren.

Auf Grundlage dieser Daten werden Dänemark und Neuseeland im Transparency-Bericht als die am wenigsten korrupten Länder geführt. Auf den weiteren Plätzen folgen Finnland, Schweden, die Schweiz und Norwegen. Den zehnten Platz teilt sich Deutschland mit Luxemburg und Großbritannien. Somalia gilt demnach als das weltweit korrupteste Land, gefolgt von Südsudan, Nordkorea und Syrien.

Am stärksten verschlechtert hat sich die Lage in Katar, das zehn Punkte einbüßte. "Die Fifa-Skandale, die Ermittlungen zur Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 in Katar und Berichte über Menschenrechtsverletzungen bei Arbeitsmigranten haben die Wahrnehmung des Landes klar beeinträchtigt", sagte Ugaz. Verbessert habe sich die Situation unter anderem in Weißrussland, Myanmar und Afghanistan.

Sorgen wegen Trump

Bestechlichkeit - Transparency International fürchtet mehr Korruption durch Trump-Clan Korruption wird in vielen Ländern immer populärer. Grund dafür ist laut der Organisation auch der weltweit aufkommende Populismus in der Politik. © Foto: Screenshot/AFP

Im Hinblick auf die neue US-Regierung von Donald Trump zeigt sich Transparency International zusätzlich besorgt: Der Präsident habe im Wahlkampf zwar angekündigt, "den Sumpf trockenzulegen". "Aber wenn man seine bisherigen Aktionen anschaut, gibt es da Vetternwirtschaft", sagte TI-Forschungsdirektor Finn Heinrich. "Die Leute in seinem Kabinett haben viele Interessenskonflikte. Sie stehen nicht für Transparenz ein." Die Vereinigten Staaten sind von Platz 16 im Jahr 2015 auf Platz 18 abgerutscht.

In dem Bericht werden 176 Länder aufgeführt. Nahezu 70 Prozent dieser Staaten kamen auf eine Zahl von unter 50 von insgesamt 100 Punkten. Null bedeutet dieser Berechnung zufolge hochgradig korrupt, 100 gilt als sehr sauber oder transparent. "In diesem Jahr sind mehr Länder auf dem Index abgerutscht als sich verbessert haben", schreiben die Autoren des Reports. Dies zeige, dass dringend gehandelt werden müsse.