Die Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht, hat eine eigenständige europäische Verteidigungspolitik gefordert. Die Nato müsse aufgelöst und durch ein kollektives Sicherheitssystem unter Einbindung Russlands ersetzt werden, sagte Wagenknecht den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken griff damit die Kritik des zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump an der Nato auf. Dessen Ankündigungen legten "gnadenlos die Fehler und Versäumnisse der Bundesregierung offen", sagte die Linken-Fraktionschefin.

Trump hatte in einem Interview gesagt, dass die Nato im jetzigen Zustand obsolet sei. Das Bündnis sei vor vielen Jahren entworfen worden und habe sich nicht um den Terrorismus gekümmert. Außerdem kritisierte Trump, dass europäische Nato-Mitglieder sich zu wenig an den finanziellen Lasten im Bündnis beteiligten.

Hamburg - Wagenknecht wünscht sich einen Bernie Sanders für die SPD Wäre die Linken-Fraktionsvorsitzende lieber Ministerin unter einem Kanzler Sigmar Gabriel oder Martin Schulz? Sarah Wagenknecht bezeichnete auf diese Frage bei einer ZEIT-Matinee Gabriels Politik als "wendungsreich“. © Foto: Phil Dera

Die deutsche Regierung hatte auf Trumps Interview abwartend reagiert. Im Kanzleramt sei es "mit Interesse gelesen" worden, teilte ein Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit. Es sei allerdings falsch, jede Bemerkung im Interview auf die Goldwaage zu legen. Man warte Trumps Amtseinführung ab und werde dann mit der neuen Regierung eng zusammenarbeiten. Der neue US-Präsident wird am Freitag offiziell in sein Amt eingeführt.

Innerhalb der Nato hätten Trumps Äußerungen Irritationen ausgelöst, berichtete Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Steinmeier sei selbst verwirrt, weil Trump dem widersprochen habe, was der designierte Verteidigungsminister James Mattis zuvor gesagt hatte. Trotzdem bleibe die Nato zuversichtlich, dass der künftige US-Präsident zu den Verpflichtungen seines Landes im Bündnis stehe, sagte Steinmeier.

Als "vage und in sich wenig schlüssig" bezeichnete auch der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), Trumps Aussagen im Interview. Es sei daher noch viel zu früh, um die Politik des nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten zu bejubeln oder zu verdammen, sagte Graf Lambsdorff. Dennoch komme auf Deutschland und die EU die Aufgabe zu, innerhalb der westlichen Allianz mehr Verantwortung zu übernehmen.