Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) soll unter dem Vorsitz Österreichs stärker gegen die Terrorgefahr durch radikalisierte Islamisten vorgehen. Der deutsche Terrorforscher Peter Neumann wird in diesem Jahr Sonderbeauftragter zur Bekämpfung von Radikalisierung bei der OSZE. Das teilte der österreichische Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) in Wien mit. Bei der Ernennung gehe es darum, die Sicherheit in den 57 OSZE-Mitgliedsstaaten durch vorbeugende Maßnahmen zu erhöhen. Kurz hat in diesem Jahr den Vorsitz des OSZE-Rates inne. Bereits im Mai soll eine Konferenz zu Radikalisierung stattfinden.

Der Politikwissenschaftler Neumann, der früher auch als Radiojournalist gearbeitet hat, leitet das International Centre for the Study of Radicalisation (ICSR) in London. Seit über 20 Jahren erforscht der Buchautor den internationalen Terrorismus. 

Neumann kündigte im ORF-Morgenjournal an, er werde zunächst eine Bestandsaufnahme machen. Die OSZE biete einen guten Rahmen, um einen Überblick über bestehende Programme und Projekte gegen Radikalisierung zu bekommen. Daraus könnten gegebenenfalls konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.

Neumann hat wiederholt darauf hingewiesen, dass Religion in der Regel nicht das Kernproblem bei Radikalisierung ist. Wer sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) anschließe, habe zumeist kaum Kenntnisse über den Islam, sagte er zuletzt. Insofern bräuchten junge Menschen eine religiöse Grundbildung. Auch müssten die Islamverbände sich stärker engagieren. "Die Gründe für den Erfolg des IS liegen in Europa", so Neumann, "also muss auch die Lösung aus Europa kommen." Aus den OSZE-Staaten haben sich rund 10.000 Kämpfer dem IS angeschlossen.