International wird der philippinische Präsident Rodrigo Duterte für seinen Feldzug gegen die Drogenkriminalität im Land kritisiert. Ungeachtet dessen hat Duterte angekündigt, seinen Kampf sehr viel länger als geplant fortzusetzen. "Ich werde ihn bis zum letzten Tag meiner Amtszeit verlängern", sagte Duterte bei einem Besuch des Hauptquartiers der philippinischen Polizei in Manila. Die zuvor ausgerufene Frist bis März 2017 sei damit hinfällig.

Gleichzeitig kritisierte er die Arbeit der zuständigen Polizei. Nach Aussagen von Duterte sei die Polizei "korrupt bis ins Mark" und zu weiten Teilen in illegale Aktivitäten verstrickt. Die Korruption stecke in ihrem System. Der Polizeichef Ronald Dela Rosa sagte daraufhin, die Einsätze gegen die Drogenkriminalität würden vorerst ausgesetzt.

Die für die Bekämpfung der Drogenkriminalität zuständige Einheit ist in eine Reihe von Skandalen verwickelt. Mehreren Polizisten wird Mord, Erpressung und Raub angelastet. Acht Mitgliedern der Einheit wird vorgeworfen, einen südkoreanischen Geschäftsmann entführt und ermordet zu haben. Dieser soll mit Hilfe eines gefälschten Haftbefehls im Oktober verschleppt und in der Polizeizentrale Manilas erdrosselt worden sein. Von seiner Frau erpressten die Entführer trotzdem noch fünf Millionen philippinische Peso (etwa 94.000 Euro) Lösegeld.

Rodrigo Duterte - Habe "persönlich" Menschen getötet Der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte hat sich damit gebrüstet, in seiner Zeit als Bürgermeister von Davao eigenhändig mutmaßliche Kriminelle getötet zu haben. Duterte bekämpft die Drogenkriminalität im Land. © Foto: AFP-TV

Polizeiapparat wird umgekrempelt

Der Skandal veranlasste die Polizei nun, die besonders umstrittene Anti-Drogen-Sondereinheit der Polizei aufzulösen. Polizeichef Dela Rosa kündigte "interne Säuberungen" an. "Wir werden unsere Ränge säubern, bevor wir den Krieg gegen Drogen vielleicht wieder aufnehmen", sagte Dela Rosa. Künftig soll die lokale Polizei für die Bekämpfung der Drogenkriminalität zuständig sein, nicht die Bundesbehörden. Zudem soll eine Sondertruppe eingesetzt werden, die die Vorwürfe untersucht und aufklärt. Der Polizeichef Dela Rosa hatte bereits vergangene Woche sein Rücktrittsgesuch eingereicht, Präsident Duterte lehnte aber ab.

Der Präsident inszeniert sich immer wieder als Hardliner. Im Dezember brüstete er sich noch mit Morden: Er sagte, während seiner Zeit als Bürgermeister von Davao selbst Kriminelle getötet zu haben. "Nur um den Jungs von der Polizei zu zeigen: 'Wenn ich das tun kann, warum nicht auch ihr?'", begründete Duterte bei einer Veranstaltung im Dezember sein Vorgehen. Während seiner Zeit als Bürgermeister sei er auf einem Motorrad durch die südphilippinische Stadt patrouilliert und habe regelrecht nach Ärger gesucht. "Ich habe wirklich die Konfrontation gesucht, sodass ich töten konnte."

Vorwürfe abgestritten

Rodrigo Duterte führt einen unerbittlichen Kampf gegen mutmaßliche Drogenkriminelle in seinem Land. Seit seinem Amtsantritt Ende Juni 2016 wurden mehr als 7.000 Menschen getötet. Wie aus veröffentlichten Polizeistatistiken hervorgeht, wurden im zweiten Halbjahr 2016 knapp 41.000 mutmaßliche Drogenhändler und -konsumenten festgenommen; mehr als 908.000 stellten sich der Polizei freiwillig.

Wegen außergerichtlicher Hinrichtungen durch Sicherheitskräfte, willkürlicher Schuldzuschreibungen und organisierter Bürgerwehren wurde Duterte international kritisiert. Kritik von Menschenrechtsorganisationen und Politikern wie dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama wies Duterte wiederholt zurück. Wenn diese hofften, dass er seinen Feldzug gegen die Kriminalität beende, täuschten sie sich: "Tut mir leid, ich habe nicht vor, das zu tun", sagte Duterte.

Im September 2016 sorgte Duterte für Empörung, weil er sich selbst mit Adolf Hitler und seinen Kampf gegen Drogenabhängige mit der Judenvernichtung in der NS-Zeit verglich. Die Amtszeit Dutertes endet 2022.