Nach schwerer Krankheit ist Portugals Ex-Präsident Mário Soares im Alter von 92 Jahren gestorben. Der Politiker, der als Vater der modernen Demokratie in Portugal gilt, war zuletzt schwer krank, teilte ein Krankenhaussprecher in Lissabon mit. Soares lag demnach seit Mitte Dezember in der Klinik. Am zweiten Weihnachtsfeiertag war der legendäre Sozialist ins Koma gefallen. 

Der Neffe des früheren Ministerpräsidenten und Staatsoberhaupts, Eduardo Barroso, hatte Journalisten gesagt, man wolle Soares auf keinen Fall an lebenserhaltende Maschinen anschließen. Das hätten die Familie und die Ärzte gemeinsam entschieden.

Soares war mit seiner charismatischen Ausstrahlung beim portugiesischen Volks sehr beliebt, seine Landsleute gaben ihm ironisch-liebevoll den Beinamen "O Rei" (König). Bei öffentlichen Auftritten wurde er bis zuletzt mit lautem Applaus begrüßt. Der frühere Staatspräsident und Ex-General António Ramalho Eanes, eigentlich politischer Gegner von Soares, sagte erst in diesem Sommer: "Soares war für Portugal nicht nur nach 1974, sondern auch schon vor der 'Nelkenrevolution' immens wichtig." 

Soares wurde am 7. Dezember 1924 als Sohn eines sozial und politisch engagierten katholischen Priesters geboren. Als junger Anwalt verteidigte er Regimegegner der Diktatur von António Salazar vor Gericht, etliche Male landete er selber im Gefängnis. 1968 verbannte das Regime den "Störenfried" auf die afrikanische Insel São Tomé – damals noch eine portugiesische Kolonie. 1970 ging Soares ins Exil nach Paris.

Politische Lehrzeit mit Willy Brandt

Für Soares politischen Werdegang war die Zeit in der französischen Hauptstadt ein wichtiger Abschnitt. Dort lernte er unter anderem Willy Brandt kennen. "Eine außergewöhnliche politische Lehrzeit", erinnerte sich Soares Jahre später. In der Heimvolksschule Bad Münstereifel der Friedrich-Ebert-Stiftung gründete der Portugiese am 19. April 1973 mit mehreren Mitstreitern die Sozialistische Partei Portugals (PS). Als ein Jahr später die portugiesische Diktatur in der "Nelkenrevolution" gestürzt wurde, kehrte Soares in seine Heimat zurück.

Die Freundschaft zu Willy Brandt beschrieb SPD-Chef Sigmar Gabriel in einem Kondolenzschreiben als außergewöhnlich. "Mit Beharrlichkeit und bewundernswertem persönlichem Mut hat sich Mário Soares gegen Unrecht und diktatorische Unterdrückung in seinem Land gestellt und Portugal den Weg zu Freiheit und Demokratie in einer offenen Gesellschaft geebnet", schrieb Gabriel laut SPD-Mitteilung in einem Kondolenzschreiben. Soares' Tod sei ein "schmerzlicher Verlust" auch für deutsche Sozialdemokraten.

In den ersten Jahren nach dem turbulenten Übergang war der Sozialist Soares als Außenminister und schließlich von 1976 bis 1978 und von 1983 bis 1985 als Regierungschef tätig war. 1986 wurde der überzeugte Europäer als erster portugiesischer Zivilist zum Staatsoberhaupt gewählt. Ins Europaparlament wurde er schließlich 1999 als Abgeordneter gewählt. Als 2006 eine erneute Präsidentschaftskandidatur scheiterte, veröffentlichte der Vater zweier Kinder und mehrfache Großvater 2011 eine "politische Autobiografie".

In seinen bis zuletzt scharfzüngigen Kolumnen für die Zeitung Diário de Notícias und für die Wochenzeitschrift Visão äußerte sich Soares zum Zeitgeschehen. Er kritisierte die Sparpolitik in Lissabon und Brüssel, die zunehmende soziale Ungleichheit in Portugal und Europa und die Vernachlässigung von Flüchtlingen. "Die Welt sieht leider immer schlechter aus", sagte Soares im vergangenen Jahr. Als seine Antriebskraft nannte er "eine große Lust zu leben und eine immense Neugier".