Die USA haben Sanktionen gegen fünf weitere russische Staatsbürger verhängt. So setzte das Finanzministerium in Washington den Leiter des einflussreichen russischen Ermittlungskomitees, Alexander Bastrykin, und die beiden Geheimagenten Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun auf eine bereits bestehende Sanktionsliste. Auch die Namen von zwei rangniederen Beamten finden sich nun auf dieser Liste.

Nach einem Bericht der New York Times stehen die nun erlassenen Strafmaßnahmen nicht im Zusammenhang mit den Hacking-Vorwürfen während der Präsidentschaftswahlen. Sie basieren vielmehr auf dem sogenannten Magnitsky Act und sehen vor, dass die Vermögen der Betroffenen in den Vereinigten Staaten eingefroren werden. Zudem ist es US-Unternehmern verboten, mit ihnen Geschäfte zu treiben. Gleichwohl haben die Maßnahmen – elf Tage vor dem Machtwechsel im Weißen Haus – einen symbolischen Charakter. 

Mit Behördenleiter Bastrykin ist erstmals auch das Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin betroffen. Der Leiter des Ermittlungskomitees gilt als enger Vertrauter des Staatschefs, seine Behörde ist in etwa mit der US-Bundespolizei FBI vergleichbar. Die Regierung in Washington wirft Bastrykin sowie den zwei rangniederen Beamten vor, in den Tod des in einem Moskauer Gefängnis gestorbenen Anwalts Sergej Magnitski verwickelt gewesen zu sein. Der Jurist hatte einen Korruptionsskandal publik gemacht, wonach Funktionäre des russischen Innenministeriums 230 Millionen US-Dollar veruntreut haben sollen.

Die beiden nun ebenfalls mit Sanktionen belegten Geheimdienstagenten Lugowoi und Kowtun dagegen stehen im Verdacht, Alexander Walterowitsch Litwinenko mit hochgradig radioaktivem Polonium vergiftet zu haben. Der frühere Spion und spätere Kreml-Gegner war im November 2006 in London an den Folgen der Vergiftung gestorben. Ein britischer Untersuchungsbericht hatte später ergeben, dass der Mord "wahrscheinlich" von Präsident Putin gebilligt worden war. Großbritannien hatte gegen die zwei Agenten 2012 einen internationalen Haftbefehl erwirkt.

Abseits der Sanktionen im Rahmen des Magnitsky Act hatte der scheidende Präsident Barack Obama bereits Ende Dezember eine Reihe harter Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf die Hackerangriffe während des US-Präsidentschaftswahlkampfs verkündet. Unter anderem wurden 35 russische Geheimagenten zu "unerwünschten Personen" erklärt und des Landes verwiesen.

Obamas Amtskollege Putin bezeichnete die Sanktionen als Provokation, die die Beziehung zwischen seinem Land und den USA weiter verschlechtern werde. Mit Blick auf den Machtwechsel am 20. Januar sagte Putin, er werde die Handlungen des künftigen Präsidenten Donald Trump abwarten, bevor er weitere Schritte veranlasst. Trump wiederum hatte sich stets gegen Vergeltungsmaßnahmen für mutmaßliche russische Hackerangriffe im US-Wahlkampf ausgesprochen.