Der Besuch von Premierministerin Theresa May im Weißen Haus ist an diesem Tag praktisch das einzige Thema in den britischen Medien. Wird US-Präsident Donald Trump Mays Wunsch nach einem Schulterschluss unterstützen? Wird es Fortschritte geben bei dem bilateralen Handelsabkommen, das May so dringend in die Wege leiten möchte? Und, bei einer Person wie Donald Trump keine unwichtige Frage: Werden die beiden miteinander auskommen?

Die Erwartungen sind entsprechend groß, als Trump und May schließlich im Weißen Haus ihre gemeinsame Pressekonferenz abhalten. Diese wirkt ein wenig unbeholfen. Trump liest von einem Zettel ab. Er sagt, die Beziehung zwischen Großbritannien und den USA seien immer eine "Kraft für Gerechtigkeit und für Frieden" gewesen. Sofort schweift er ab und erzählt von seiner Mutter, die in Schottland geboren wurde, bevor er weiter hölzern vom Zettel vorträgt. Großbritannien und die USA würden heute ihre Verbundenheit erneuern, sagt er. Ein "freies Großbritannien" sei "ein Segen für die Welt." Beiden Ländern stünden "großartige Tage" bevor. Dann bedankt er sich bei May für die "Ehre" ihres Besuchs.

Theresa May wagt den Spagat

Die britische Premierministerin prescht vor, um die Lücken zu füllen. Man sieht ihr an, dass sie eine Menge sagen möchte. Mehrmals bedankt sie sich dafür, dass Trump sie "so früh" ins Weiße Haus eingeladen hat – May ist der erste Staatsgast seit Trumps Vereidigung vergangene Woche. Auch May spricht über die Verbundenheit zwischen Großbritannien und den USA. Bei ihrem Gespräch mit Trump, das später fortgesetzt werden sollte, habe es zahlreiche "Übereinstimmungen" gegeben. Die britische Regierungschefin erzählt, Trump habe ihr zugesichert, dass er "zu 100 Prozent" hinter der Nato stehe. Sie werde sich mit Trump über die Handelsbeziehungen unterhalten und darüber, wie man "unmittelbar" auf hoher Ebene zu verhandeln beginnen könne.

"Die heutigen Gespräche stellen einen bedeutenden Moment dar", sagt May. Das habe sie "schön gesagt", antwortet Trump.

Als die anwesenden Journalisten anschließend einige wenige Fragen stellen dürfen, möchte ein Reporter von Fox News wissen, wie Trumps Telefonat mit dem mexikanischen Präsidenten gelaufen sei. May ist der Schrecken sofort anzusehen. Sollte es hier nicht um Großbritannien und die USA gehen? Und um die gemeinsame Führungsrolle in der Welt, die sie sich vorstellt?

Supermacht USA, Supermacht Großbritannien

Über die hat sich May am Vorabend ausführlich ausgelassen. In einer Rede vor republikanischen Politikern in Philadelphia erinnerte May an die historischen Verbindungen zwischen Großbritannien und den USA. Während der beiden Weltkriege, über die Schaffung der Nato und während des Kalten Krieges hätten Washington und London die westliche Welt angeführt. Und diese Führungsrolle müssten beide Staaten jetzt wieder einnehmen. May rief dazu auf, gemeinsam "die moderne Welt anzuführen." Sie empfinde es als "Ehre und Privileg", diesen Appell in "in einer Zeit" zu äußern, in der "eine neue Ära amerikanischer Erneuerung" anbreche, sagte May. Die USA könnten wegen Trumps Wahlsieg "stärker, bedeutender und zuversichtlicher" auf die kommenden Jahre blicken.

May bemühte sich in Phiadelphia außerdem, zumindest den extremsten Standpunkten Trumps etwas entgegenzusetzen. So hob sie die Bedeutung der Nato hervor, die Trump als "obsolet" bezeichnet hatte und rief dazu auf, zwischen radikalem Islamismus und dem Islam als solchen zu unterscheiden. May lobte den Iran-Deal von Barack Obama und warnte davor, Russlands Präsidenten Wladimir Putin allzu vertrauensvoll entgegenzutreten.

Einen Tag später dürften britische Regierungsvertreter daher erleichtert aufgeatmet haben, als Trump und May nach gerade einmal 18 Minuten Pressekonferenz von den Kameras wegtraten. Schließlich sind die Launen des neuen US-Präsidenten unberechenbar, doch war aus britischer Sicht alles Wichtige gesagt worden: Trump hat bestätigt, dass auch er eine "Erneuerung" der Beziehungen zwischen London und Washington anstrebt. Mehr noch: Von einem Journalisten auf seine umstrittenen Äußerungen zum Thema Folter angesprochen, erwiderte der US-Präsident, dass er immer noch daran glaube, dass Folter "funktioniert". Aber er werde die Entscheidung darüber seinem Verteidigungsminister James Mattis überlassen. Denn der sei "der General der Generäle."

Gegensätze ziehen sich an

Ein paar kleine Patzer gab es dennoch bei der weltweit beachteten Zusammenkunft. Britische Journalisten twitterten, dass sie nicht in das Weiße Haus eingelassen wurden. Das Problem: Sie hatten ihre Geburtsdaten im britischen Format durchgegeben. "Und der Secret Service kapiert das nicht", spottete ein Reporter. Ein weiteres Detail: In den Pressebriefings war Mays Name drei Mal falsch geschrieben: statt Theresa stand da "Teresa". Aber wer will sich schon an solchen Kleinigkeiten stören, wenn Geschichte geschrieben wird.

May und Trump: Ein ungleicheres Paar kann man sich kaum vorstellen. Auf der einen Seite der  rücksichtslose Egomane, auf der anderen die vorsichtige und für ihre Akribie bekannte Pastorentochter. Trump hat einen aggressiv protektionistischen Kurs eingeschlagen, May möchte ihr Land zum "weltweiten Vorkämpfer für den Freihandel" machen. Sie selbst versuchte diesen offensichtlichen Widerspruch zu überbrücken, indem sie vor dem Treffen sagte, Gegensätze könnten sich ja auch anziehen.