Er hatte sie immer wieder kritisiert, per Twitter verhöhnt und kein Interesse an ihren Briefings gezeigt: Der künftige US-Präsident Donald Trump hält nicht viel von den Geheimdiensten seines Landes. Wie das Wall Street Journal berichtet, plant er offenbar eine umfassende Reform der Dienste, wenn er ins Amt kommt. 

Das Blatt zitiert ungenannte Informanten, die mit Trumps Übergangsteam vertraut sein sollen. In Trumps Augen sind die Dienste demnach "aufgebläht und politisiert", insbesondere die zentrale Koordinierungsstelle DNI. Daher sollten die Einrichtungen zusammengestrichen und umstrukturiert werden. 

Dem Bericht zufolge soll auch die Belegschaft der CIA am Hauptquartier in Virginia zusammengestrichen und mehr Mitarbeiter in Auslandseinsätze geschickt werden. Die CIA selbst habe sich zu dem Bericht nicht äußern wollen.

Geheimdienst-Briefing am Freitag

Mokiert hatte sich Trump vor allem über die Einschätzung der Geheimdienste, wonach Russland im US-Präsidentschaftswahlkampf die Mailaccounts der Demokraten gehackt und an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben hat, um eine Wahl ihrer Kandidatin Hillary Clinton zu torpedieren. Dies betrachte Trump als Versuch, die Legitimität seiner Wahl infrage zu stellen. Russland hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen; der scheidende US-Präsident Barack Obama verhängte aufgrund der Berichte jedoch Sanktionen gegen Russland.

Am Freitag sollen die Geheimdienstspitzen Trump auf den Stand ihrer Ermittlungen bringen. Da das Treffen von Dienstag verschoben worden war, legte Trump per Twitter nahe, die Geheimdienste müssten die Vorwürfe gegen Russland wohl erst noch konstruieren.

Demokraten und Republikaner hatten Trump dafür kritisiert, dass er den russischen Präsident Wladimir Putin immer wieder lobt, wie neuerdings auch den WikiLeaks-Gründer Julian Assange, den Geheimdienste als Verräter betrachten; seine Anhänger jedoch als Whistleblower.

Pläne, die Koordinierungsstelle DNI zu verkleinern, gab es dem Bericht zufolge bereits in Obamas Amtszeit im Jahr 2010. Sie seien jedoch nicht umgesetzt worden.