Amnesty International hat den Philippinen im Antidrogenkampf von Präsident Rodrigo Duterte schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die Polizei habe außergerichtliche Hinrichtungen verübt, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation. "Auf Befehl von ganz oben" hätten Polizisten und "unbekannte Killer" jeden ins Visier genommen, der auch nur entfernt verdächtigt worden sei, Drogen zu konsumieren oder mit ihnen zu handeln.

Dem Bericht zufolge erfolgten die Hinrichtungen "umfassend, bewusst und systematisch". Die Polizei habe wehrlose Menschen, darunter Kinder, getötet, Beweismittel gefälscht, Auftragsmörder für die Ermordung von Drogenkranken bezahlt und die Todesopfer und ihre Angehörigen beraubt. Auch seien Polizisten für das Töten von ihren Vorgesetzten bezahlt worden. Die Polizei verhalte sich "wie die verbrecherische Unterwelt", gegen die sie Recht und Ordnung durchsetzen solle, heißt es in dem Report.

Hintergrund der Hinrichtungen ist der von Präsident Duterte geführte unerbittliche Kampf gegen mutmaßliche Drogenkriminelle in seinem Land. Seit seinem Amtsantritt Ende Juni 2016 wurden mehr als 7.000 Menschen getötet. Wie aus veröffentlichten Polizeistatistiken hervorgeht, wurden im zweiten Halbjahr 2016 knapp 41.000 mutmaßliche Drogenhändler und -konsumenten festgenommen; mehr als 908.000 stellten sich der Polizei freiwillig.

Am Montag hatte sich Duterte von der für die Bekämpfung der Drogenkriminalität zuständigen Polizeieinheit distanziert. Mehreren Mitgliedern wird Mord, Erpressung und Raub angelastet. Acht Polizisten der Einheit wird vorgeworfen, einen südkoreanischen Geschäftsmann entführt und ermordet zu haben. Dieser soll mithilfe eines gefälschten Haftbefehls im Oktober verschleppt und in der Polizeizentrale Manilas erdrosselt worden sein. Von seiner Frau erpressten die Entführer trotzdem noch fünf Millionen philippinische Peso (etwa 94.000 Euro) Lösegeld.

Den ausgerufenen Kampf will Duterte allerdings fortsetzen. "Ich werde ihn bis zum letzten Tag meiner Amtszeit verlängern", sagte der Präsident. Die zuvor ausgerufene Frist bis März 2017 sei damit hinfällig.

Im September 2016 sorgte Duterte für Empörung, weil er sich selbst mit Adolf Hitler und seinen Kampf gegen Drogenabhängige mit der Judenvernichtung in der NS-Zeit verglich. Die Amtszeit Dutertes endet 2022.