Ein Haftrichter in Istanbul hat Untersuchungshaft gegen den deutschen Journalisten Deniz Yücel verhängt. Der Jurist entschied nach einer Anhörung, den 43-Jährigen nicht freizulassen, wie die Zeitung Die Welt berichtet, für die Yücel schreibt. Er muss nun in eine Haftanstalt, wo er wegen des in der Türkei herrschenden Ausnahmezustands bis zu fünf Jahre festgehalten werden könnte.   

Dem Korrespondeten wird von der türkischen Justiz Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch, Terrorpropaganda und Aufwiegelung der Bevölkerung vorgeworfen. 

Er hatte sich vor zwei Wochen der Polizei gestellt, die ihn in Gewahrsam nahm. Nach den Regeln des Ausnahmezustandes hielt ihn die Behörde seitdem ohne richterlichen Beschluss fest. Der Ausnahmezustand gilt in der Türkei seit dem Putschversuch vor über sieben Monaten, am 15. Juli 2016.

Yücel ist der erste deutsche Journalist, der seit dem gescheiterten Putsch vom Sommer 2016 in Polizeigewahrsam kam. Er hat sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Aus Sicht der türkischen Behörden ist er damit ein einheimischer und kein ausländischer Journalist. Nur Korrespondenten aus dem Ausland genießen noch einen gewissen Schutz vor dem Zugriff des autokratisch geführten Staatsapparates.

Journalistenverbände, Bundestagsabgeordnete und andere Unterstützer hatten den Umgang der Türkei mit Yücel scharf kritisiert. Etwa 160 Parlamentarier unterzeichneten einen Offenen Brief an den türkischen Botschafter. Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte die Entscheidung für die U-Haft als unverhälnismäßig.