Wenn nicht gerade wieder Pläne oder Gesprächsfetzen nach draußen dringen, weil doch irgendjemand glaubt, man müsse wissen, was da vor sich geht, bleibt das Weiße Haus eine Blackbox. Donald Trumps Regierung lädt nachgerade dazu ein, sich das Geschehen selbst auszumalen. Etwa wie es ablaufen könnte, wenn seine Minister nach der Münchner Sicherheitskonferenz in Washington Bericht erstatten.

Wie ist es gelaufen, wird der US-Präsident wissen wollen. Und werden sie ihm dann erzählen, wie unglaublich riesig die Zahl der Zuhörer war, wie laut und lang der Applaus? Wie alle es ganz großartig fanden? Das wäre leider, wieder einmal, zielsicher an der Realität vorbei.

Wenn Vizepräsident Mike Pence, Verteidigungsminister James Mattis und Heimatschutzminister John Kelly ehrlich sein wollen, werden sie sagen müssen: Auftrag ausgeführt, Erfolg fraglich.

McCain wird für klare Worte gefeiert

In den Worten des demokratischen US-Senators Sheldon Whitehouse war Pences Rede – wie auch die von Mattis – ein starkes Signal an Europa: "Er hat sehr deutlich gemacht – und das musste er auch –, dass die Allianz wichtig ist, dass die Nato wichtig ist, und dass die Vereinigten Staaten sich nicht abwenden." Doch der Zuspruch ist verhalten. Die versammelte politische Elite der Welt klatscht höflich, aber wesentlich vorsichtiger und kürzer als etwa für Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Plädoyer für multilaterale Zusammenarbeit. Wer weiß schon, ob die glasklaren Versicherungen der Trump-Botschafter wirklich die Haltung des Präsidenten wiedergeben? Von den Leerstellen, die bleiben, einmal ganz abgesehen.

Das wird Trump nicht hören wollen. Und auch nicht, wie sie hier an jeder Ecke den republikanischen Senator John McCain dafür feiern, wie leidenschaftlich er die von den USA erbaute Weltordnung verteidigt, deren längst begonnener Zusammenbruch vielen so große Sorgen bereitet. Die Frage, ob der Westen überleben werde, habe in diesem Jahr nichts mehr mit Alarmismus zu tun. Wenn es jemals eine Zeit gegeben habe, in der sie mit tödlichem Ernst behandelt werden müsse, dann jetzt, sagt McCain: "Täuscht euch nicht, meine Freunde: Dies sind gefährliche Zeiten, aber ihr solltet Amerika nicht abschreiben, und wir sollten uns nicht gegenseitig abschreiben."

Der Senator nennt Trump nicht beim Namen, doch allen ist klar, dass er in seiner Rede auch ihn meint: "Wir dürfen niemals, niemals aufhören an die moralische Überlegenheit unserer eigenen Werte zu glauben – dass wir für die Wahrheit gegen die Lüge stehen, für Freiheit gegen die Tyrannei, für das Recht gegen die Ungerechtigkeit, für Hoffnung gegen Verzweiflung." Später, nach den Angriffen des Präsidenten auf die Medien gefragt, wird McCain noch deutlicher: "So fangen Diktatoren an." Trump sei zwar keiner, doch die Menschen müssten aus der Geschichte lernen.