Der Regierungskandidat und Ex-Vizepräsident Lenín Moreno hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Ecuador deutlich gewonnen, muss aber wohl in eine Stichwahl. Der Sozialist kam nach dem vorläufigen Ergebnis auf knapp 39 Prozent, wie die nationale Wahlbehörde mitteilte. Moreno will den linken Kurs von Präsident Rafael Correa fortsetzen, der nach zehn Jahren an der Macht nicht mehr angetreten war. Auf Platz zwei lag mit 29 Prozent der konservative Politiker Guillermo Lasso. Er will neben einem Politikwechsel auch das Asyl für WikiLeaks-Gründer Julian Assange in der Botschaft in London beenden.  

Ein Sieg in der ersten Wahlrunde ist nur möglich, wenn ein Kandidat mindestens 40 Prozent der Stimmen bekommt und einen Abstand von mindestens zehn Prozentpunkten zum Zweitplatzierten hat. Aktuell seien etwa 81 Prozent der Stimmen ausgezählt, Wahlkommissionschef Juan Pablo Pozo betonte den noch "vorläufigen" Charakter der Teilergebnisse: "Wir müssen die Auszählung von 100 Prozent der Stimmen abwarten." Laut dem vorläufigen Ergebnis sind die Bedingungen nicht erfüllt. In diesem Fall entscheidet eine Stichwahl am 2. April.

Etwa 12,8 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, unter acht Kandidaten den Nachfolger von Staatschef Correa zu bestimmen. Der 63-jährige Moreno galt vor der Wahl als Favorit. "Das ist die Revolution, die niemand stoppen kann", sagte Moreno nach der Bekanntgabe erster Umfragen nach der Wahl. Vor Unterstützern in Quito rief er seinen stärksten Gegner Lasso auf, die Niederlage anzuerkennen. Der 61-jährige Lasso trat im Wahlkampf für Steuersenkungen und einen Kampf gegen Korruption ein.

Moreno gilt als Zögling des sozialistischen, charismatischen Präsidenten Correa, der sich aus der Politik zurückziehen will. Correa hatte laut Kritikern und Unterstützern eine gewisse Stabilität nach Jahren der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in Ecuador erreicht. Im Wahlkampf hatte Moreno die Wähler aufgefordert, Correas "Bürgerrevolution" treu zu bleiben. Ihm wird zugeschrieben, als dessen Kronprinz das politische Erbe verwalten und fortsetzen zu können.