Jean-Claude Juncker möchte nach seiner jetzigen Amtszeit nicht mehr EU-Kommissionspräsident sein. Er werde "nicht noch einmal antreten", sagte Juncker dem Deutschlandfunk. Seine jetzige Amtszeit geht bis 2019.

Im November 2014 war der 62-Jährige zum Kommissionspräsidenten gewählt worden. Im Deutschlandfunk sagte er mit Blick auf den damaligen Wahlkampf, er habe sich "dann auch wieder neu in Europa verliebt, weil ich dann diesen Farbenreichtum der Europäischen Union wiederentdeckt habe". Der Wahlkampf sei schön gewesen – "es wird aber keinen zweiten in der Form geben, weil ich nicht noch einmal antreten werde".

Damals habe er aber auch gemerkt, "dass es an dem Grundeinverständnis fehlt, über die Dinge, die in Europa zu leisten sind". Einige Länder hätten gerne mehr Europa, "andere finden, dass wir schon zu viel Europa haben".

Warnung vor Verhandlungstaktik der Briten

Für die anstehenden Verhandlungen mit Großbritannien über den EU-Austritt prognostizierte Juncker eine schwere Zeit für die Staatengemeinschaft. "Die Briten, die werden es schaffen, ohne große Anstrengung die anderen 27 Mitgliedsstaaten auseinanderzudividieren. Die anderen 27 wissen das noch nicht, aber die Briten wissen schon sehr genau, wie sie das in Angriff nehmen können", sagte er. "Man verspricht dem Land A dieses, und man verspricht dem Land B jenes, und man verspricht dem Land C etwas Anderes, und in der Summe entsteht daraus keine europäische Front."

Bisher haben die EU-Staaten Versprechungen an London abgelehnt. Inhaltlich will Brüssel erst mit London über die künftigen Beziehungen verhandeln, wenn die britische Regierung ihr Austrittsersuchen offiziell eingereicht hat. Dieser Schritt wird für den März erwartet.

Über die Akzeptanz der EU bei den europäischen Bürgern schien Juncker ernüchtert. "Ich hatte mir vorgestellt, am Anfang meines Mandats, dass ich konstruktiv arbeiten könnte, die Dinge besser in den Griff zu kriegen, so dass die Menschen wieder Vertrauen fassen in Europa, das sie ja erkennbar verloren haben", sagte er. "Und jetzt bin ich damit beschäftigt – mehrere Stunden am Tag – mich mit der Planung des Ausscheidens eines Mitgliedslandes zu beschäftigen. Das ist keine Zukunftsaufgabe."