Die von der Bundeswehr mitgetragene EU-Operation Sophia zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer spielt aus Sicht der Bundesregierung Schleuserbanden in die Hände. Die Organisationen "kalkulieren die im Seegebiet fahrenden Schiffe in ihren Modus Operandi" ein, da diese "nach internationalem Seerecht verpflichtet sind, Seenothilfe zu leisten", heißt es in der Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linksfraktion, aus der die Zeitungen der Funke-Mediengruppe zitieren. "Die Bundesregierung sieht mit Sorge, wie Schleuser ihr Geschäftsmodell auf die Seenotrettung durch die verschiedenen Akteure ausrichten."

Seit Beginn der EU-Mission haben demnach allein Einheiten der deutschen Marine 9.455 Flüchtlinge gerettet. 22.641 Menschen wurden zudem durch andere Einheiten der gemeinsamen EU-Operation gerettet, an der seit Juni 2015 insgesamt 25 Nationen beteiligt sind. Nach der Bergung der Flüchtlinge seien insgesamt 351 Schleuser-Schlauchboote versenkt worden. Zu Organisationen der Schleusernetzwerke und deren führenden Personen gibt die Bundesregierung allerdings an, dass ihr "keine Erkenntnisse" vorlägen.

Allein im vergangenen Jahr kamen mehr als 180.000 Menschen über die zentrale Mittelmeerroute nach Europa. Tausende weitere ertranken, weil ihre nicht seetüchtigen Boote kenterten.

Der EU-Gipfel auf Malta beschloss vor Kurzem einen Zehn-Punkte-Plan zur Schließung der Mittelmeerroute. Er sieht vor, dass die libysche Küstenwache Überfahrten Richtung Europa unterbinden soll. Den Vorschlag der Unionsparteien, Flüchtlinge nach Nordafrika zurückzubringen, weist inzwischen auch SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann nicht mehr zurück.