Der ehemalige französische Staatschef Nicolas Sarkozy wird sich in einer Affäre um illegale Wahlkampffinanzen vor Gericht verantworten müssen. Ein Untersuchungsrichter ordnete einen Prozess gegen den konservativen Politiker an, wie aus Justizkreisen in Paris verlautete. Die französische Staatsanwaltschaft hatte bereits im Februar 2016 ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Für seinen Präsidentschaftswahlkampf 2012 soll Sarkozy die zulässige Budgetobergrenze von 22,5 Millionen Euro massiv überschritten haben. Nach Darstellung der Ermittler wurden für die Kampagne Sarkozys mindestens 42,8 Millionen Euro ausgegeben. Um das zu verbergen, soll die konservative Partei des damaligen Amtsinhabers über ein System falscher Rechnungen rechtswidrig Wahlkampfkosten in Millionenhöhe übernommen haben.

Die Staatsanwaltschaft leitete im Februar 2016 das Verfahren ein, nachdem der ehemalige Präsident von einem Untersuchungsrichter befragt worden war. Sarkozy hatte damals bestritten, von den Vorgängen gewusst zu haben.

In der Affäre um den Prozess ordnete der Untersuchungsrichter Serge Tournaire zudem ein Strafverfahren gegen 13 weitere Beschuldigte an. Darunter sind frühere Parteifunktionäre, Wahlkampforganisatoren und Mitarbeiter des PR-Unternehmens Bygmalion. Eine Tochterfirma von Bygmalion hatte die Wahlkampfveranstaltungen für Sarkozy organisiert, die Affäre wurde deswegen als "Bygmalion-Affäre" bekannt. Die Angeklagten können noch Rechtsmittel gegen einen Prozess einlegen.

In den vergangenen Jahren gerieten Frankreichs Politiker immer wieder wegen Betrugs in Verdacht, so auch Ex-Premierminister François Fillon, der bei der Vorwahl seiner Republikaner-Partei für die Präsidentschaftskandidatur gegen Sarkozy gewann. Ihm wird unter anderem die Scheinbeschäftigung seiner Frau nachgesagt.