Die Zahl der Menschen, die nach Europa fliehen, blieb auch 2016 hoch. Insgesamt sei im vergangenen Jahr mehr als eine halbe Million illegaler Grenzübertritte festgestellt worden, heißt es in einem Bericht der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex, der am Mittwoch in Brüssel vorgestellt wurde. Frontex schätzt, dass dies etwa 382.000 Migranten aus dem Mittleren Osten, Afrika und Asien entspreche. Im Vergleich zu den 1,8 Millionen illegaler Grenzübertritte 2016 sei aber ein deutlicher Rückgang festzustellen. Trotzdem seien im vergangenen Jahr mehr Menschen gekommen als in den Jahren zwischen 2010 und 2014. 

Die meisten Flüchtlinge kamen in Italien und Griechenland an. Während allerdings die Zahl der Menschen, die auf der zentralen Mittelmeerroute nach Italien geflohen seien, ständig gestiegen sei, kamen in Griechenland im Laufe des Jahres aufgrund des EU-Türkei-Abkommens immer weniger Menschen an. 80 Prozent der Flüchtlinge, die über die Türkei nach Griechenland flohen, kamen bereits in den ersten drei Monaten des Jahres 2016.

Dagegen stieg die Zahl der in Italien ankommenden Flüchtlinge um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Einwanderung über Libyen war zudem vollständig abhängig von Menschenschmugglern. Tausende verloren auf diesem Fluchtweg ihr Leben.

Die Zahl der Rückführungen war mit 176.000 ungefähr genauso hoch wie 2015. Dies liege daran, dass nationale Behörden Schwierigkeiten hätten, Reisedokumente für abgelehnte Flüchtlinge zu bekommen, heißt es in dem Frontex-Bericht. Oft fehlen so die nötigen Papiere oder die Herkunftsländer wollen ihre Bürger nicht zurücknehmen. Außerdem tauchen viele abgelehnte Asylbewerber und andere Migranten in Europa unter. In Zukunft brauche man eine enge Zusammenarbeit zwischen Grenzschützern, Polizei und Zollbeamten. Um die Außengrenzen zu schützen, müsse es außerdem schnelle und effiziente Küstenschutzaktionen geben. Die Zusammenarbeit mit Transit- und Herkunftsländern müsse verbessert werden. Auch die Rückführungen von Flüchtlingen, die nicht in der EU bleiben könnten, sollten verstärkt werden.

Ein neuer Flüchtlingsrekord wurde auf der westlichen Mittelmeerroute festgestellt, über die 10.000 Menschen kamen. Die meisten von ihnen stammen aus der Subsahara und aus nordafrikanischen Ländern. 17 Prozent aller in Europa ankommenden Flüchtlinge stammten eigenen Angaben zufolge aus Syrien. Insgesamt ging ihre Zahl allerdings um mehr als 80 Prozent zurück. Ein neuer Rekord wurde dagegen bei Migranten aus Afrika festgestellt. 170.000 afrikanische Flüchtlinge kamen 2016 in die EU, zwischen 2009 und 2013 waren es dagegen im Durchschnitt nur 40.000 gewesen.