Der frühere britische Premierminister Tony Blair hat zum friedlichen Widerstand gegen den Brexit aufgerufen. "Es ist Zeit, sich zu erheben und das zu verteidigen, an das wir glauben", sagte der Labour-Politiker in London auf dem Treffen der Gruppe Open Britain. Für Gleichgültigkeit oder Verzweiflung sei jetzt nicht der richtige Moment, sagte Blair. Wer für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union sei, müsse Brexit-Befürworter umstimmen. 

Bei einem Referendum am 23. Juni 2016 hatten 52 Prozent der Briten für einen EU-Austritt gestimmt. Nun debattiert das britische Parlament über ein Brexit-Gesetz: Das Unterhaus hat dem Gesetz bereits zugestimmt. Blair hielt seine Rede kurz vor den Beratungen im Oberhaus an diesem Montag. Das Gesetz ist notwendig, damit Premierministerin Theresa May die Austrittserklärung abgeben kann. Sie will das bis Ende März erledigt haben. Erst danach können die Verhandlungen mit der EU beginnen.

Blair war von 1997 bis 2007 britischer Regierungschef. Der jetzigen Regierung warf er vor, einzig und allein vom Thema Brexit beherrscht zu sein. Alle anderen Themen, sei es die Gesundheitsversorgung, Fortschritte im Bildungssektor oder aber Einwanderung, würden gänzlich vernachlässigt.

Blair kritisierte, Premierministerin May wolle den harten Brexit – also die Trennung von der EU einschließlich des Europäischen Binnenmarktes – um jeden Preis. Diese Kosten müssten schonungslos aufgedeckt werden. So steige mit dem Brexit beispielsweise auch das Risiko, dass sich Schottland vom Vereinigten Königreich abspalte, sagte Blair.

Viele Menschen, die für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt hätten, seien unzureichend über die Folgen informiert worden und müssten aufgeklärt werden. Jeder Bürger hätte das Recht, seine Meinung zu ändern, sagte Blair.

Blair hatte bereits im vergangenen Herbst die Möglichkeit eines zweiten Brexit-Referendums ins Spiel gebracht. Die Tory-Regierung lehnt eine weitere Volksabstimmung jedoch kategorisch ab. "Brexit heißt Brexit", lautet Mays Motto. 

Blair sagte, notwendig sei nun eine parteiübergreifende Bewegung, um den Brexit noch zu verhindern. Er erinnerte an Mays eigene Worte noch vor neun Monaten. Damals warnte sie, der Brexit schade der Wirtschaft und Sicherheit des Landes.

London - Britisches Unterhaus billigt Brexit-Antrag Jetzt muss noch das Oberhaus zustimmen, damit Theresa May Artikel 50 des EU-Vertrages aktivieren kann. © Foto: Reuters TV