In dem Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht, der immer größere, internationale Ausmaße erreicht, wollen die Ermittlungsbehörden von 15 Ländern enger zusammenarbeiten. Am heutigen Donnerstag und morgigen Freitag treffen sich in der brasilianischen Hauptstadt Brasília Generalstaatsanwälte der beteiligten Länder. Nach Angaben aus dem Umfeld der brasilianischen Organisatoren werden Vertreter aus Antiguas und Barbuda, Argentinien, Chile, Kolumbien, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Mexiko, Peru, Mosambik, Panama, Portugal sowie der Dominikanischen Republik und Venezuela teilnehmen.

Der weitverzweigte Korruptionsskandal erschüttert derzeit Lateinamerika, es soll eine der größten Schmiergeldaffären der Welt sein. Mit einem ausgeklügeltem System zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbeamte und Manager, sollen sich die Baufirma Odebrecht und andere Unternehmen Aufträge gesichert und teilweise sogar vorteilhafte Gesetzgebung gekauft haben. Über 800 Millionen Dollar sollen seit 2001 geflossen sein, schreibt Spiegel Online. Der Konzern soll für die Zahlung von Schmiergeldern eine eigene Abteilung unterhalten haben. Die Ermittlungen begannen bereits im Jahr 2014, inzwischen sind Behörden aus Brasilien, den USA und der Schweiz eingeschaltet.

Besonders brisant ist, dass immer mehr prominente und ehemalige Politiker Lateinamerikas in den Fall verwickelt zu sein scheinen. Der Ex-Präsident von Peru, Alejandro Toledo, wird mit internationalem Haftbefehl gesucht und soll untergetaucht sein. Er soll bis zu 20 Millionen US-Dollar Bestechungsgelder kassiert haben, für den Bau der Interoceánica, der Straße die den Atlantik und Pazifik über Tausende Kilometer in Südamerika verbindet. Vergangene Woche war eine 18-monatige Untersuchungshaft gegen den 70-Jährigen verhängt worden. Zuletzt wurde er in den USA gesichtet, in einem Telefonat hat er den US-Präsidenten Donald Trump um Hilfe bei seiner Auslieferung gebeten. Er soll sich nach Israel absetzen wollen. 

Kolumbiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos ist ebenfalls in den Verdacht geraten, von Odebrecht Geld für seinen Wahlkampf bekommen zu haben. Von einem Vertrauten wird zudem Panamas Präsident Juan Carlos Varela belastet. In Brasilien sitzen bereits Politiker in Haft, die von dem Konzern Schmiergeldzahlungen angenommen haben.

Angefangen hat der Skandal in Brasilien mit dem Lava -Jato-Skandal (Autowäsche) um Schmiergelder bei Auftragsvergaben des halbstaatlichen Petrobras-Konzerns. Politiker erhielten eine satte "Provision", wenn sie beim Zuschlag halfen, etwa für den Bau von Bohrplattformen. Nach und nach kam ein System systematischer Bestechung in mehreren Ländern ans Licht. Odebrecht "refinanzierte" die Kosten offensichtlich dadurch, dass Bauprojekte am Ende viel teurer waren – so kostete der Ausbau der Interoceánica in Peru unter Toledo am Ende statt der geplanten 850 Millionen US-Dollar 2,1 Milliarden.